BOLIVIEN - ein Land im Umbruch

Bolivien ist das einzige südamerikanische Land, das ich während meiner Auszeit bereist habe - dies allerdings nicht zum ersten Mal. Beide Besuche waren von außergewöhnlich heftigen Aufständen und politischen Umbrüchen im Land geprägt:

Im Frühjahr 2001 blockierten und belagerten insbesondere die Coca-Bauern zahlreiche zentrale Zufahrtsstraßen, um gegen die von den USA auferlegte Politik der Eindämmung von Cocapflanzen zu protestieren. 2003 standen einzelne Landesteile Kopf, da das bolivianische Volk den Ausverkauf ihrer Ressource Erdgas via Chile an Mexico und die USA verhindern wollte. Dieser landesweite blutige Aufstand endete am 17. Oktober 2003 mit dem Rücktritt des Präsidenten Gonzalo Sanchez de Lozada.

Aber auch nach der Regierungsübernahme des parteilosen vormaligen Vizepräsidenten Carlos Mesa ist keine Ruhe eingekehrt: So kam es u.a. in La Paz, El Alto und Cochabamba Ende August 2004 wieder zu Streiks, Blockaden und Protesten des Transportgewerbes aufgrund der massiv gestiegenen Spritpreise. Weitere Konflikte mit den benachteiligten überwiegend unter der Armutsgrenze lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen sind vorprogrammiert. Immerhin sind etwa 2/3 der Bevölkerung Aymara und Quechua. Aber auch Coca-Bauern, Landlosen-Verbänden und anderen unzufriedene Gruppierungen tragen ihre Proteste auf den Straßen aus.

Einen Teilerfolg hat Präsident Mesa immerhin erzielt: Laut offiziellem Ergebnis haben ca. 60% der bolivianischen Bevölkerung am 18.Juli 2004 in einem Referendum künftigen Erdgasexporten zugestimmt. Allerdings verdankt er diesen hohen Prozentsatz explizit einer Auszählungsweise, die leere und ungültige Stimmen mitzählt und dann das Verhältnis der Ja- zu den Neinstimmen bewertet.

Am 7. März 2005 hat Präsident Carlos Mesa nach 17 Monaten Regierungszeit seinen Rücktritt erklärt, mit dem Bedauern, dass auch er den sozialen Frieden im Lande nicht herbeiführen konnte. Nach zweitägigem zähen Ringen scheint es doch noch gelungen, einen Kompromiss mit dem Kongress auszuhandeln. Mesa bleibt nun Präsident - zumindest vorerst. Noch liegt Aufruhr und Unzufriedenheit in der Luft und ist in den Straßen spürbar.

Nun gilt es, baldmöglichst die Vereinbarungen umzusetzen, um dem bolivianischen Volk eine allgemein akzeptierte Zukunftsperspektive zu bieten. In den letzten Monaten war es anlässlich der Energiepolitik und Vertragsmodalitäten mit transnationalen Gesellschaften zu landesweiten Protesten, Streiks und Blockaden gekommen. Insbesondere Evo Morales, Anführer der "Movimiento al Socialismo", mobilisiert öffentlich für Protestaktionen gegen den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen des Landes.

Zahlen und Fakten
Kein Meerzugang - aber höchste Städte und tropischer Urwald<

Bolivien - nach seinem Befreier Simón Bolívar benannt - ist mit 1,1 Mio. qkm fast dreimal größer als Deutschland. Auf dieser vergleichsweise großen Fläche leben nur rund 8 Mio. Einwohner/innen (in Deutschland etwa das Zehnfache!) Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas (!). Seit das Land im sog. "Salpeterkrieg" 1879-1884 seinen pazifischen Küstenstreifen an Chile verlor, verfügt Bolivien über keinerlei Meerzugang. Der Groll über diesen und andere Verluste an Chile sitzen tief. Daher und aus einigen ähnlichen Gründen bleibt Chile kritisch beäugter Nachbar.

Boliviens Regierungssitz La Paz ist mit über 3.600 Metern und über 700.000 Einwohner/innen die höchstgelegene Großstadt der Welt - und gefährdetes Erdbebengebiet. Gegensatz zum Hochland "altiplano" und zwei Bergketten bildet eine tropenfeuchte tropenfeuchte Urwaldebene, die drei Viertel des Landes ausmacht. Zentrale Exportprodukte Boliviens sind Agrarprodukte (u.a. Quinoa), Bergbauerzeugnisse und Kohlenwasserstoffe.

Bolivien gehört mit einem Schuldenberg von über 5,041 Mrd. US-$(Stand Dez.'03) zu den höchstverschuldetesten armen Ländern dieser Erde. Deutschland hat Bolivien im Mai 2002 alle bis Juli 2001 entstandenen Schulden in Höhe von 347 Mio. USD erlassen. Die Aufnahme 1999 in der Entschuldungsinitiative HIPC II soll dem Land zu einem 30%igen Erlass verhelfen. Der Preis dafür - wirtschaftliche und politische Auflagen - ist allerdings hoch und sorgt im Land für weiteren Sprengstoff.

Zu meinen Reiseberichten

Gelandet bin ich zunächst in La Paz - zu dieser Zeit Zentrum der Aufständischen. Dann zog ich über Potosi, der mit 4.070 Metern angeblich höchst gelegenen Stadt der Welt, weiter gen Uyuni. Von dort aus kann frau/man traumhaft schöne Salzseen, Steinwüsten farbige Flamingo-Seen und andere Naturwunder genießen, was ich denn auch tat. Aber auch die Hauptstadt Sucre, die zweitgrößte bolivianische Stadt Cochabamba und das verträumte Trinidad habe ich bereist. Und bevor ich von La Paz aus weiterflog wurde ich noch zum ultimativen Moskitoschmaus - in der Amazonas-Pampa bei Rurrenabaque.

Überschattet werden alle Berichte von der zu dieser Zeit brisanten politischen Lage, die auch meine Reiseroute beeinflusste. Die Berichte sind chronologisch - und überwiegend nach den Reiseorten benannt.

  • Tiempo para cambiar! Chicago - Bolivien! - 20.09.2003 (1)
  • Potosi und seine Minen - 24.09.2003 (2)
  • Uyuni, Kamera-Odyssee.. und aktuelle Lage - 04.10.2003 (3)
  • Von Sucre gen Cochabamba - 09.10.2003 (4)
  • Cochabamba - die Lage spitzt sich zu - 13.10.2003 (5)
  • Goni adiós! - Uyuni - Cochabamba - 18.10.2003 (6)
  • Trinidad, Rurrenabaque, Pampas - 01.11.2003 (7)
  • La Paz - Hasta luego Bolivia! - 01.11.2003 (8)
  • El pueblo unido....! :-)


    Bolivien im Überblick