EL SALVADOR

El Salvador ist das kleinste der zentralamerikanischen Länder - aber auch das am stärksten besiedelte. Das Land hat massiv unter Jahrzehnten korrupter Regierungen und 12 Jahren Bürgerkrieg gelitten, bis 1980 endlich ein Friedensvertrag zwischen der damaligen Regierung und der "Guerilla-Partei" FMLN (Frente Farabundo Marti para la Liberacion de la Nacion) unterzeichnet wurde. Aber auch die Folgezeit war überschattet von Gewalt, Bandenkriegen und einer zunehmend ungleichen Verteilung der Güter dieses Landes.

El Salvador ist sehr stark von internationaler Politik und Wirtschaft geprägt - insbesondere von US-Einflüssen. Dies lässt sich u.a. daran ablesen, dass der US-Dollar seit Januar 2001 offizielle "Parallelwährung" ist und inzwischen die Landeswährung Colon ganz abgelöst hat. Vorangetrieben wurde die weiter zunehmende Annäherung an die USA von ARENA (Allianza Republicana Nacional de El Salvador), der inzwischen seit 15 Jahren an der Macht befindlichen rechtskonservativen Unternehmerpartei.

Knapp zwei Monate nach meinem Aufenthalt dort, am 21. März 2004, wurde die ARENA-Partei mit über 57% für weitere fünf Jahre wiedergewählt. Dies vermutlich auch deswegen, weil ein "Linksdrall" des Landes von den USA als Affront gewertet werden könnte, wodurch ein Großteil der Bevölkerung wirtschaftliche Nachteile befürchtet (siehe Cuba!): Schließlich leben über 2 Mio. (!) Salvadorenos in den USA - somit jede/r vierte! Und die aus den USA heim geschickten "remesas" (2003: 2,1 Mrd. USD) stellen die wichtigste Devisenquelle des Landes dar.

Im Wahlkampf folgte der 39-jährige Präsident Elias Antonio Saca Gonzalez ganz US-amerikanischen Wahlkampfmethoden, ließ das ganze Land in ARENA-Farben (rot-weiss-blau) tünchen und präsentierte sich landesweit in Radiowerbung und auf Plakaten als "Tony Saca". Zweitstärkste Partei wurde die FMLN mit knapp 36 %. Ihr Spitzenkandidat, der 74-jährige Ex-Guerrillero Shafik Handal, trat mit ehrgeizigem Wahlprogramm an, verlor insbesondere gegen Wahlkampfende aber massiv an Zustimmung.


Einige Zahlen und Fakten

El Salvador ist mit rund 21.000 qkm in etwa so groß wie das Bundesland Hessen - und ist mit ca. 6,4 Mio. Einwohner/innen sogar noch etwas stärker bevölkert! Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn alle Ausgewanderten heimkehrten...

Bis 1979 wurde das Land von Militärregierungen geführt. Im Oktober 1979 begann mit einem Staatsstreich "Revolutionäre Regierungsjunta" ein Bürgerkrieg, bei dem über 70.000 Menschen - überwiegend Zivilbevölkerung - umkamen. Erst knapp 13 Jahre später - im Januar 1992 - unterschrieben FMLN (Guerillabewegung) und die schon damalige Regierungspartei ARENA in Mexico ein Friedensabkommen. Nach offizieller Einschätzung ist El Salvador inzwischen eine parlamentarische Demokratie mit starker Präsidentenstellung. Die ursprünglich als rechtsradikal geltende ARENA-Partei wird nun als "normal konservativ" eingeschätzt, die ehemalige Guerilla-Partei FMLN wurde zur anerkannten Oppositionspartei.

El Salvadors Wirtschaft basiert neben den genannten "Remesas" (Heimsendungen) vorrangig auf Erträgen aus den "Maquilas". Dies sind meist in ausländischer Hand befindliche Produktionsstätten in Freihandelszonen, in denen Arbeitnehmerrechte weitgehend ausgehebelt sind. Drittwichtigstes Standbein sind laut Zeitungsaussagen Erträge aus Messen, Kongressen und ähnlichem wirtschaftlichen "Tourismus". Durch eingebrochene Kaffee-Weltmarktpreise ist auch diese Einnahmequelle geschrumpft.

Die Landespolitik setzt massiv auf ausländische Investitionen und Absatzmärkte. Zur Verbesserung der Sicherheitslage und des Image des Landes hat die Regierung daher 2003 den Plan der "harten Hand" (Mano Dura) verabschiedet. Dieser beinhaltete die Verfolgung und Festnahme der "pandillas" (Banden). Mangels Beweisen wurden die meisten der überwiegend jugendlichen Bandenmitglieder jedoch nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt.

Eine weitere Schattenseite dieses Landes ist mangelnde Verteilungsgerechtigkeit: ca. 50% der Bevölkerung leben in Armut, die offizielle Analphabetenrate liegt bei 17%.


Zu meinen Reiseberichten

El Salvador mitten im Wahlkampf. Bedingt durch gesundheitliche Beeinträchtigungen habe ich leider nur einen Bruchteil dessen gesehen und erlebt, was ich in El Salvador gerne erkundet hätte. Dennoch habe ich - dank guter Kontakte zu Salvadorenos und zu spanischen Mitarbeiter/innen dort tätiger Nichtregierungsorganisationen - einige sehr interessante Eindrücke sammeln können.

Ich habe El Salvadors Hauptstadt durchstreift, Ruinenstätten besichtigt, das ehemalige Widerstandszentrum Suchitoto erkundet und zumindest einen der faszinierenden Vulkane des Landes aus relativer Nähe bewundert. Dies gibt - in Verbindung mit einem kritischen Blick auf Geschichte und Politik des Landes - doch immerhin einen ersten Einblick.

  • El Salvador, Izalco... y mas - 16.03.2004 (18)
  • Kleiner Zeitraffer + Nachtrag zu El Salvador - 15.04.2004 (19)
  • Viel Spass beim Lesen!


    Zentralamerikas Däumling El Salvador