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Goni adiós! - Uyuni - Cochabamba - 18.10.2003 (6)


Hi Ihr Lieben!

jetzt raecht es sich, dass ich mich in das vertraeumt-friedliche Trinidad zurueck gezogen hab: Eben hat der bolivianische Praesident seinen ueberfaelligen Ruecktritt erklaert!!!... und nachdem hier in der ganzen Zeit hoechstens 1-2 friedliche Protestmaersche waren, scheint sich auch jetzt niemand sonderlich fuer den Ruecktritt zu interessieren. Zumindest: "Nix is" mit grossen Jubelfeiern oder aehnlichem!!! Schade! Aber ich weiss schon: Frau kann nicht alles haben!

Präsident 'Goni'
Das war er... Goni adiós!


Statt Jubelfeier "feiere" ich erstmal mit diesem Mail an Euch... und dann mit einem Caipirinha am zentralen Platz hier. Irgend jemand wird schon mitfeiern - und wenn es meine treue Reisegefaehrtin Emma (fuer Nicht-Eingeweihte: eine kleine Stoffhaesin) ist...

Nach meinen letzten Infos heut abend hat sich Ex-Praesident "Goni" per Hubschrauber gen Santa Cruz abgesetzt und will dann nach Miami... Dort ist Goni, der Besitzer mehrerer Minen Boliviens, dann bei den ganzen gierig-reichen Exilcubanern in bester Gesellschaft... (boeser Kommentar am Rande... Ihr kennt mich ja...)

Sein seit drei Wochen von immer mehr Bevoelkerungsgruppen geforderter Ruecktritt war wirklich ueberfaellig. In den letzten vier Wochen (also seit ich hier bin) hat es in diesem Land ueber 80 Tote und ueber 400 Verletzte gegeben. In La Paz und El Alto (oberhalb von La Paz rund um den Flughafen von La Paz) herrscht seit neun Tagen Ausnahmezustand. Neben den Minenarbeitern von Potosi, zahllosen Rentnern sind in den letzten Tagen auch Abgeordnete in Hungerstreik getreten... Neben der grossen zentralen Forderung "Kein Gas an Chile - Kein Gas an USA/Mexico ueber einen chilenischen Hafen - Gas und industrielle Entwicklung fuer Bolivien" sind schon seit einiger Zeit viele andere Forderungen verschiedenster Interessengruppen dieses Landes getreten... Nachdem der Praesident keinerlei Anstalten machte, sich wirklich mit den Forderungen und Gruppierungen auseinander zu setzen und immer wieder mit wenig hilfreichen Erklaerungen ans Volk, mit Aussitzen und mit Militaerrepression reagierte, war sein Ruecktritt wohl die einzige Chance, einem Staatsstreich oder Zivilkrieg zu entgehen... Wenn ich das richtig im Ueberblick hab, ist es das erste Mal in der Geschichte Boliviens, dass es das bolivianische Volk schafft, sich "relativ friedlich" von einem von den USA protegierten Praesidenten zu befreien.

Was Korruption in Lateinamerika betrifft, steht Bolivien momentan zwar nicht mehr an zweiter sondern "nur noch" an vierter Stelle, aber: Bolivien ist so reich an Natur- und Bodenschaetzen und die grosse Mehrheit seiner BewohnerInnen ist so arm... Tiempo para cambiar - Zeit fuer Veraenderungen! Ob sich mit dem nun zunaechst das Ruder uebernehmenden Vizepraesident Carlos Mesa aendert, bleibt abzuwarten... aber immerhin! Aufbruchstimmung im Land!

UYUNI

... ist zwar inzwischen schon etwas laenger her, aber mein 4-Tages-Treck von Uyuni Richtung Chile und zurueck war so traumhaft schoen, dass ich Euch zumindest ein Minimum davon berichten will:

Wenn ich das richtig verstanden hab, haben wir in diesen vier Tagen mit einem Jeep ca. 1000 Kilometer zurueck gelegt... Das ist aber auch in Relation zu sehen: Bolivien hat zwar nur rund 8 Millionen Einwohner/innen, die Landflaeche ist allerdings fast dreimal so gross wie Deutschland!

In diesen vier Tagen habe ich unglaublich schoene Naturwunder genossen, die sicher auch meine Photos nur ansatzweise wiedergeben koenne. Die Schoenheit dieser noch weitgehend unberuehrten Landschaft laesst sich fuer mich schwierig in passende Worte fassen...

Laguna Colorada
Laguna Colorada - brrrrr


Die meiste Zeit lag die Strecke oberhalb von 3.500 (bis knapp 5.000 Meter!) Hoehe. Somit war die Landschaft eher karg und steppig. De facto waechst dort oben fast nur "Lena", das auch als Brennstoff (insbesondere zum Heizen, Kochen, Salz trocknen) verwendet wird - aber auch Quinoa-Getreide und Flechten... Die Gegend ist sehr huegelig. Es leben dort wenig Menschen, aber viele Lamas, Schafe, Kuehe und auch Vikunjas. Die Wolle der zierlichen Vikunjas ist die teuerste und wertvollste ueberhaupt. Sie gilt auch als das "Gold der Anden". Das fuer Inkaherrscher daraus geschaffene "Goldene Vliess" wurde von diesen einen Tag lang getragen und dann den Goettern geopfert... Allzu viele dieser wunderschoenen Tiere gibt es leider nicht mehr. Wer eines toetet, muss angeblich genauso lange Zeit im Gefaengnis absitzen wie fuer den Mord an einem Menschen (ca. 30 Jahre...) - wurde mir zumindest erzaehlt... aber das nur am Rande...

Bereits der Salzsee von Uyuni ist eine Reise wert. Er ist 12.000 km2 gross... In seiner Mitte ist die Isla de Pescado... die Fisch-Insel... da die Inselform einem Fisch aehneln soll... Diese Felseninsel inmitten des Salzsees ist voller Kakteen... der hoechste soll 12 Meter hoch sein...

Uyuni-Treck
Isla de Pescado - Salar de Uyuni


Auf dem See gibt es auch ein vollstaendig aus Salz gebautes Hotel... Es ist allerdings inzwischen aus hygienischen Gruenden auf Minimalbetrieb umgestellt... Ein zweites Hotel dieser Art wurde bereits aus eben diesem Grund wieder zerstoert (Salz als Lebensmittel und nicht als Abort fuer abgedrehte Touris...)

Weiter suedlich gibt es dort unglaublich schoene von Sonne, Wasser und Wind geformte Felsformationen - wie z.B. einen ziemlich grossen Baum aus Stein und...

Uyuni-Treck
Felsenschnecke


Weitere Hoehepunkte dieser Tour sind die faszinierend-schoenen bunten Seen, in denen drei unterschiedliche Flamingo-Familien ihre Heimat gefunden haben. Wir haben bei unserer Tour am Ufer der Laguna Colorada uebernachtet. Sie liegt im Naturschutzgebiet und ist - durch Sonne, Wind und unglaublich viele rote Algen - tagsueber blutrot... das im Kontrast mit kahlen Bergruecken und zahllosen Flamingos auf ueber 4000 Hoehenmetern ist zwar nachts irre kalt (minus 12 Grad) aber unglaublich schoen!!!!

Laguna Colorada
Laguna Colorada - Flamingoparadies


Laguna Colorada
Laguna Colorada - Schatten


Wir haben auf dieser Reise auch einen Gruenen See, einen Weissen See und einige andere bewundernd besichtigt... Der dritte Tag hinterliess ein Feuerwerk an Eindruecken: Wir verliessen unser kaltes Quartier an der Laguna Colorada im Morgengrauen (kurz nach 5.00 Uhr) und betrachteten dann fasziniert bei "Sol de Manana" (Morgensonne) Geysire... einer davon wird auf 4.800 Hoehenmetern dort zur Stromerzeugung verwendet... Es roch ueberall nach Schwefel, blubberte und dampfte ganz heftig in der Morgensonne...

blubb-blubb
Sol de Manana


Genau an dieser Stelle hatte unser Jeep einen Platten... In dieser klirrenden kalten duennen Luft auf etwa 4.700 Metern Hoehe frueh morgens Reifen wechseln ist eine wahre Herausforderung, aber unser Fahrer schaffte auch dies ueberzeugend. Wir fuhren "im mehr oder weniger engen Konvoi" mit einem weiteren Jeep derselben Agentur. Jeder Fahrer hatte dabei so seine Besonderheiten. Der Fahrer des "anderen Jeeps" hatte viele Erlaeuterungen und Geschichten parat. Unser Fahrer hingegen war eher wortkarg, hatte aber gewisse "Schumi-Allueren" - wir starteten meist als letzte, kamen aber immer als erste an - fuhr aber sehr gut und sicher...

Unser Fruehstueck genossen wir dann auf 4.400 Meter Hoehe mit der Chance auf ein waermendes Bad in einer Natur-Thermalquelle... Die meisten nutzten das nur als Fussbad... aber ich hab ich mir den Ganzkoerpergenuss natuerlich nicht entgehen lassen... :-)

Uyuni-Treck
Frühstück auf 4.400 Meter Höhe


Eben hoere ich ein paar Knaller draussen... ob sie nun doch feiern? Na.. ich werde es gleich erleben!

Na... und am Schluss haben wir noch einen Eisenbahn-Friedhof besucht... ein skurriler Ort mit vor sich hin rostenden Eisenbahnen der ersten Eisenbahngenerationen... aber nach dem faszinierenden Naturschauspiel der Tage davor natuerlich nicht ganz so beeindruckend...

COCHABAMBA

Wie Ihr meiner letzten Mail entnehmen konntet, hab ich die Strassenschlachten in Cochabamba mit Steinewerfern auf der einen Seite und Traenengas auf der anderen Seite recht nah miterlebt. Ueberall umgestuerzte Muellcontainer, kleine Brandherde auf der Strasse, Strassenblockaden,...

Hab mich dann doch der Einladung von zwei Italienern (Alpinisten, Kletterern) angeschlossen, die fuer einen Tag inkl. Uebernachtung in die in der Naehe von Cochabamba gelegenen Berge wollten... Wir sind dann mit einem Taxi von 2.500 Metern auf 4.000 Meter hochgefahren und haben bei sternenklarer Nacht zu dritt in einem Zelt uebernachtet. Letztendlich habe ich sie dann doch ein Stueck bergaufwaerts begleitet und mit ihnen die Bergluft auf 4.500 Metern genossen. War nix mit Klettern dort.. aber das koennen sie jetzt die Tage noch in Chile genug... Ist schon irre, auf dieser Hoehe keinerlei Schnee zu haben!

Die Rueckfahrt von dort oben gestaltete sich allerdings etwas schwieriger, da dann irgendwie doch keine LKWs mehr vorbeikamen. Und durch die ueberall moeglichen Strassenblockaden und angekuendigte Fahrerstreiks sah ich zwischenzeitig sogar meinen Abflug in Richtung Trinidad recht gefaehrdet: Ich hatte mein Flugticket fuer den Folgetag zwar morgens geordert - aber noch nicht bezahlt und abgeholt. Letztendlich hat dann aber doch noch alles geklappt. Ein Steine transportierender LKW hat - zum Glueck dann doch blockadenfrei - uns gen Tal gefahren.

Unterwegs
Naechtliche Rueckkehr im Lastwagen


Dort hat uns ein Sammelbus und dann ein Taxi gen Cochabamba gebracht. Und die nette Frau vom Reisebuero im Hotel der Italiener ist dann extra fuer mich sogar nochmal in ihr Buero zuruck gekehrt, um mir noch mein Ticket auszustellen. Mal wieder Glueck gehabt... :-) Da am naechsten Tag allerdings Fahrerstreik angekuendigt war - Variante "rien-ne-va-plus" in der Stadt - bin ich mit den Italienern schon um 5.00 Uhr zum Flughafen gefahren (letzte Chance!) und hab somit auch meinen Flieger nach Trinidad gekriegt...

Jetzt reichts aber fuer heute... draussen knallt es immer noch gelegentlich. Werde jetzt mal zum Platz marschieren und mir einen Caipi zum Feiern ordern!

UND WEITER...

Von Trinidad - der Mopped-Stadt - berichte ich spaeter. Morgen fahre ich Richtung Rurrenabaque und Dschungel / Amazonasgebiet weiter - mit Zwischenstopp morgen abend in San Borjas, da angeblich zu wenig Passagiere hier sind, um die ganze Strecke zu fahren... Wie auch immer: Von 10.30 bis kurz vor 19.00 Uhr im Bus sitzen reicht ja auch schon... Bis Rurrenabaque sind es wohl insgesamt 12 Stunden Fahrt...

FUNKSTILLE?!

Nach Aussagen von Touris gibt es allerdings seit ueber einem Monat keine Internet-Verbindung in Rurrenabaque. Somit hoert Ihr in naechster Zeit vermutlich erstmal nix von mir... Nur mal so, damit sich niemand von Euch ueber mein Schweigen wundert... oder Sorgen macht... oder...

Sonnige Gruesse aus dem tropisch-heissen Trinidad (liegt auf ca. 250 Metern... bin also mal ausnahmsweise auf "Eurer" Hoehe... :-)...)!

Eure Bab
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