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Trinidad, Rurrenabaque, Pampas - 01.11.2003 (7)


Hi Ihr Lieben!

schon wieder viel passiert in letzter Zeit... und da ich damit in La Paz nicht fertig wurde, schreibe ich Euch nun aus Managua, der Hauptstadt Nicaraguas... :-)

TRINIDAD

... ist auch schon fast nicht mehr wahr... Aber wie Ihr Euch vielleicht erinnert, war ich per Flieger aus dem von Protesten geschuettelten Cochabamba in das friedliche Departement Beni mit seiner "Hauptstadt" Trinidad gefluechtet. Soweit ich mich erinnere, hat diese Stadt ca. 60.000 Einwohner/innen und liegt in etwa auf "Eurer" Hoehe... Interessant waere dabei, wieviele Zweiraeder es dort gibt... meiner Schaetzung nach hat mindestens jede/r vierte so ein Toeff... Das taegliche und insbesondere abendliche Hauptvergnuegen in dieser vertraeumten Stadt ist es ganz offensichtlich, den Hauptplatz dort mit einem mehr oder weniger kleinen Mopped zu umrunden... Einige tun dies alleine, aber diese Gefaehrte werden durchaus von bis zu sechs Personen genutzt (das war zumindest bisher die Maximalbesetzung, die ich gesehen hab...).

Trinidad
Mopped-Stadt Trinidad


In Trinidad ist es tagsueber ziemlich heiss... nachts ist dies allerdings auch nicht viel anders. Daher gab es sogar in meiner "Luxusbleibe" Hostal Yakuma (25 Bolivianos, d.h. keine 3,50 EURO/Nacht) einen Ventilator, der einerseits kuehlt und andererseits Moskitos verscheucht... Dieser Gefaehrte schaffte es in meiner letzten Nacht dort, mir so einen Zug am Ruecken zu verschaffen, dass ich die naechsten drei Tage davon was hatte... Besonders "angenehm" war dies die beiden Tage, die ich ueberwiegend in (Mini)bussen in Richtung Rurrenabaque verbrachte... Immerhin war ich an diesem zugigen Ort ja nicht darauf angewiesen, den Kopf nach links drehen zu koennen... :-)

Hab dann versucht, mir in Trinidad auch ein Zweirad zu mieten, um ein bisschen was vom Hinterland zu erkunden... (nein... bin nicht um den Platz gefahren.. :-)). Leider vermieten sie dort inzwischen nur noch so kleine Toeffs (100er?) mit Handschaltung fuer 10 Bol./Stunde (ca. 2,50 DM :-)).. Damit zog ich an meinem 2.Tag in Trinidad dann los in Richtung Seen... Es gibt ganz in der Naehe die Laguna Suarez, einen riesigen relativ flachen Badesee, eine sich bis zum Horizont ziehende Flaeche braunen Wassers... An diesem fuhr ich zunaechst vorbei, da auf meiner "Karte" noch mehr Seen eingezeichnet waren... Die Strasse muendete allerdings sehr rasch in einem schnurgeraden endlos scheinenden Stein- und Staubweg...

Die Mittagshitze brutzelte auf mich runter. Laengere Zeit kam mir niemand entgegen. Umkehren? Da muss doch noch was kommen... Und tatsaechlich tauchte ploetzlich das Schild "Laguna Azul" mit Pfeil nach rechts auf. Der mit tiefen Schlagloechern uebersaete Erdweg fuehrte mich in der heissen Mittagssonne direkt auf den Innenhof einer Hacienda, wo eine groessere Familie gerade zu Mittag ass...- nix mit Badesee... Aber eine Frau dort lud mich ein, mich im Schatten etwas auszuruhen. Und ich erfuhr, dass es nicht allzu weit weg tatsaechlich einen See gebe. Die Erklaerung des Wegs dorthin gestaltete sich jedoch etwas schwieriger. Und nach einigem Nachfragen bot sich mir eine Wegweiserin als Begleitung an ... und stieg hinten auf mein "Moppedchen" auf.

Trinidad
Trinidad - Hacienda Laguna Azul


Sie oeffnete mir dann richtig nett die vier Gatter, die den Feldweg blockierten - und etwa zehn Minuten spaeter genossen wir gemeinsam den einsamen auch riesig scheinenden Natursee... Waehrend wir auf dem Steg sassen, konnten wir in der Ferne eine Familie von etwa 10 Capibaras bewundern - inzwischen weiss ich, dass das Wasserschweine sind :-). Dann zeigte sich sogar noch eine Herde Rinder, die den See als Traenke nutzten. Als sie irgendwann doch ganz erschreckt unsere Anwesenheit bemerkten, zogen sie aber rasch von dannen...

Trinidad
Laguna Azul mit überraschten Rindern


Aber auch wir wurden immer wieder beobachtet von zwei neugierigen Augenpaaren, die immer wieder abwechselnd aus dem Wasser auftauchten... Lagartos - ein grosser und ein kleiner Alligator... Dies zerstreute letzte Zweifel, ob dieser lauwarme (!) See denn nun ein Badesee sei... Angeblich gab es dort noch vor nicht allzu langer Zeit einen Getraenkeverkauf. Das Holzbuedchen stand noch, aber ich konnte es mir - in der Mitte von "nichts" so ganz ohne direkte Zufahrtsstrasse - nicht wirklich in Betrieb vorstellen...

Vor unserer Rueckkehr erzaehlte mir meine Begleiterin (Anfang 30?), dass sie ihren zweiten, zu Gewalttaetigkeit neigenden Mann, noch waehrend ihrer letzten Schwangerschaft verlassen habe. Nun zieht sie alle vier Kinder alleine auf. Um dies irgendwie bewerkstelligen und finanzieren zu koennen, arbeitet sie seit ein paar Monaten auf dieser Farm... Ganz andere Lebensrealitaeten...

Auf dem Rueckweg genoss ich doch noch ein Bad in dem bauchhohen, badewannenwarmen, braunen Wasser der Laguna Suarez... - ein sehr schoener Ort, der an Wochenenden hoffnungslos von Bolivianos ueberfuellt sein soll... "Unter der Woche" hab ich ihn als friedliche Naturoase erleben duerfen...

Trinidad
Trinidad - Laguna Suarez


Abends traf ich in Trinidad drei allein lebende Bolivianerinnen (nach meiner Schaetzung zwischen 40 und 50 Jahre alt), die mich an ihren Wuerfeltisch einluden und mich in die Spielregeln einweihten... War eine nette Runde. Am naechsten Abend brachte Fatima dann auch selbst gemachte "Leche de Tigre" (Tigermilch) mit... eine gefaehrliche Mischung aus Eiern, Milch, Nelke und Alkohol, die ganz entfernt an Eierlikoer erinnerte... Er ist durch die Hitze dort leicht verderblich, kam diesmal aber direkt aus dem Kuehlschrank. Nachdem die Frauen mir jedoch von diversen Magenproblemen und -operationen erzaehlten, und eine aus der Runde mir auch noch ihre dicke Narbe am Bauch zeigte, wurde ich doch etwas vorsichtiger. Aber lecker war der Trunk allemal!

WEITER GEN RURRENABAQUE

"Es gibt derzeit keine Direktverbindung nach Rurre." sagten sie mir am Busbahnhof in Trinidad... Aufgrund der kritischen Entwicklung im Land sind kaum noch Touristen unterwegs... und sogar im sonst friedlichen Beni gibt es noch Reste von Strassenblockaden zu beseitigen... Nun "gut". Somit kaufte ich ein Ticket bis San Borjas - und fuhr am Folgetag ca. 9 Stunden auf ziemlich miesen Strassen durch die Pampa...

San Borjas ist kleiner und noch vertraeumter als Trinidad... aber auch hier versuchen sie mit Mopped-Platzumrundungen andere zu beeindrucken oder ihre Zeit zu verbringen... Was mir in diesem wirtschaftliche armen Land immer wieder auffaellt, sind die "Spielhoellen" fuer Kids... Ueberwiegend Jungs verbringen Stunden begeistert damit, am Bildschirm irgendwelche Gangster und Monster zu jagen, Gefahren zu killen... Ich muss zugeben, dass mir solch eine Kindheit etwas Angst macht... Frage mich, ob das bei uns auch so ausgepraegt ist...

Fähre gen San Borjas
Fähre gen San Borjas


Die Minibus-Fahrt von San Borjas nach Rurrenabaque (meist "Rurre" genannt) am naechsten Tag war auch ziemlich anstrengend.. Nachdem wir verspaetet losgefahren waren, verordnete uns der Fahrer durch zwischenzeitige Abwesenheit eine 1-stuendige Mittagspause. Dadurch holperten wir insgesamt mehr als fuenf Stunden ueber staubige loechrige Strassen. Zwischendurch quetschten sich immer wieder neue Passagiere dazu. Die Fahrt schien endlos. Aber irgendwann landeten wir dann doch im touristischen Rurrenabaque...

RURRENABAQUE...

ist ein malerischer Ort am Ufer des Beni-Flusses. Es gibt dort 16 Reiseagenturen, die allesamt Touren in die Pampa ("wilde Tiere besichtigen und Anakonda suchen") und die Selva ("Dschungel und Heilpflanzen kennen lernen") anbieten... Allerdings waren -aufgeschreckt durch die Entwicklungen im Land - fast alle Touristen abgereist. Mein durchaus schoenes Hostal Oriental hatte ich zwischenzeitig fast fuer mich alleine... Schoen, aber etwas einsam -mit Haengematten, einem Sternfruchtbaum und zwei sehr netten, wenn auch ein bisschen kleinlichen Wirtinnen. Tagsueber war es dort so heiss, dass auch das Abklappern der Agenturen auf der Suche nach einer Gruppe, der ich mich anschliessen koennte, muehselig war... Statt Fenster hatten die Zimmer Moskitonetze, Ventilatoren halfen nachts auch etwas.. Und abends dann die Mosquito-Bar, eine fuer Bolivien etwas teuere, aber sehr nette Kneipe mit absolut leckeren Caiphirinhas, angenehmen Barmaennern und der Moeglichkeit, sich die Musik aus einer breiten Palette von CDs selbst auszusuchen....

An einem Abend zog ich nach Barschluss mit dem Moskkito-Barteam in eine der vielen Karaoke-Bars... Inspiriert durch das durchaus leckere bolivianische Pacena-Bier hab ich sogar zwei Lieder getraellert... :-) Auch ein kulturelles Highlight durfte ich miterleben: Ein paar Schulen hatten eine Auffuehrung folkloristischer Taenze im Open-Air-Kollisseum arrangiert. Die Tanzgruppen kamen aus der ganzen Region angereist und zeigten Traditionelles - einen Baendertanz, viele wirbelnde Paare, an Polonaise erinnernde bunte Aufmaersche - aber auch zum Abschluss zwei moderne "Diskotaenze"... und das alles alkfrei... :-/

PAMPA...

Tja.. und dann schickte ich meinen absoluten Widerwillen, in diesem Land deutsch zu sprechen, in die Wueste und gewann einen Deutschen und eine Hollaenderin dafuer, mit mir eine Pampas-Tour zu machen. Bisher war es mir gelungen, mich nur mit spanisch - oder franzoesisch-sprechenden Menschen zu umgeben... aber mich auch mal mit Deutschsprachigen "abzugeben" war ganz offensichtlich meine naechste "Reiselektion".

Somit zogen wir zu dritt mit Fuehrer und Koechin fuer drei Tage gen Pampa-Abenteuer.Hat sich absolut gelohnt. Es war sehr beeindruckend, mit einem Boot ueber den Yakuma-Fluss zu shippern, zwei (?) Wasserschweine und ganz viele Alligatoren ziemlich nah zu sehen, sich sonnende Schildkroeten zu bewundern, Cappuccino-Aeffchen aus der Naehe zu erleben... Und wunderschoene Voegel, deren Namen ich auf deutsch nicht kenne, haben wir auch gesehen: faszinierende Paradiesvoegel, Marabous, Stoerche, Papageien, Adler, Aasgeier,...

Pampas-Tour
Pampas-Tour Rurrenabaque Capibaras

Pampas-Tour
Pampas-Tour Rurrenabaque Cappucino-Monos


Alligatoren, Schildkroeten und Anakondas haben eins gemeinsam: kaltes Blut. Daher waermen sich alle drei Arten tagsueber in der Sonne auf, um nachts mehr Energie zu haben. Alligatoren, deren Augen wir nachts im Wasser leuchten sahen, sind angeblich nur nachts auf der Jagd. Tagsueber sei kein Problem, in der braunen Wasserbruehe "mit den rosa Delphinen" zu schwimmen...

MIT ROSA DELPHINEN SCHWIMMEN?

Drei dieser ungewöhnlichen Suesswasser-Delphine haben wir von weitem gesehen. Sie sind ein Phaenomen und Ueberbleibsel aus Urzeiten... Durch einen Wasserfall sind sie vom Meer und Chile getrennt und leben daher in drei bolivianischen Fluessen... Das mit dem Schwimmen haette ich im Vertrauen auf unseren "guia" - trotz Alligatoren und schammig-braunem Wasser- sogar gerne ausprobiert. Aber am zweiten Tag hatte es immer wieder so heftig geregnet, dass die Mosquitos noch laestiger und aggressiver waren als sonst. Wir wussten schon gar nicht mehr, wohin mit uns: Noch mehr auf der Haut brennendes "Repellente" auftragen? Unter weiteren Stofflagen Moskitoschutz suchen? Mein extra dafuer gekauftes weisses Hemd leistete gute Dienste...Durch die meiste Kleidung - insbesondere dunkelfarbige - stechen diese Biester unbeeindruckt durch. Und dann ausziehen????? - Njet! Sicher war der spezielle Mueckenschutz auf der Haut beissend und lebensrettend... aber den gaenzlichen Schutz vor dieser Plage gibt es wohl nicht. Zwischenzeitig haben wir uns alle drei sonstwohin gewuenscht... Das war der einzige heftig unangenehme Nachteil dieser Tour...

Bolivien
Pampas-Ritt


Da der Besitzer der Pferde in der Naehe offensichtlich sonstwo unterwegs war, zogen wir statt am zweiten erst am dritten Tag mit Pferden los... war eventuell wetterbedingt auch besser so... Wir fanden zwar keine Anakonda, aber die Pampa mit Palmen, Papayas und Weiten ist sehr schoen und unbedingt sehenswert...

Pampas-Tour
Pampas-Tour Rurrenabaque - Pampas VOR Mosikitoansturm


Auch diese Tour klang in der Moskkitobar mit Caipirinha aus... Noch eins zum malerischen Ort Rurre: Seit ueber einem Monat gibt es in diesem Ort (und der Region) kein oeffentliches Internet.. hat wohl irgendwas mit nicht bezahlten Rechnungen zu tun... Eine Bank gibt es dort auch nicht... Wer Geld braucht, hat immerhin die Chance, mit Visakarte in einem Hotel Geld zu bekommen... allerdings mit einem "Aufpreis" von 7%. Das soll sich aber angeblich im naechsten halben Jahr aendern... Zeitungen gab es zunaechst leider auch keine... Immerhin kamen in den letzten Tagen meines Aufenthalts dort dann doch noch welche per Flieger aus La Paz - jeweils die vom Vortag...

Die Fahrt von Rurrenabaque nach La Paz soll angeblich auf ziemlich miesen Strassen ca. 18 Stunden dauern... Diesen Trip hab ich mir dann doch erspart.. und mir stattdessen einen ca. 1-stuendigen Flug fuer ca. 52 U-Dollar gegoennt... War aufregend in diesem kleinen Fliegerchen, der direkt von Rurre aus mit 10 (oder 12?) Passagieren startete. Leider war es recht wolkig und turbulent... Mir bekam dieses Schaukeln nicht wirklich gut und ich schloss irgendwann lieber die Augen... Daher bekam ich leider fast nichts vom sicher sehr beeindruckenden Anflug auf La Paz ueber den ueber 6000 Meter hohen Berg Illimani mit... behielt aber immerhin mein Fruehstueck intus...

Liebe Gruesse aus dem heissen Managua!

Eure Bab

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