Vorheriger Bericht Zur Übersicht Nächster Bericht

La Paz - Hasta luego Bolivia! - 01.11.2003 (8)


Hi Ihr!

nun also mein letztes "Bolivien-Mail" - wird Zeit, dass ich mich mal meinem "aktuellem Standpunkt" in Nicaragua naehere :-)

LA PAZ... und PHOTOS!!!

Hatte diesmal das Glueck, trotz Verspaetung von Cinthyas Freundin am Flughafen abgeholt zu werden... Die Verwuestungen rund um La Paz durch die Protestmaersche und Blockaden sind auf dem Weg vom Flughafen/El Alto in die Stadt runter nicht zu uebersehen... Ausgebrannte Strassenkontrollstationen, umgeknickte Strassenschilder... Hab meine letzten Tage in La Paz und Bolivien dazu genutzt, meine Photos entwickeln zu lassen und ein paar der Bilder auch einzuscannen... Mal schaun.. vielleicht gelingt es mir, sie Euch ueber Manfreds Website - und/oder ueber yahoo - zu zeigen... Dann habt ihr gleich einen ganz anderen Eindruck. Einige der Bilder sind doch faszinierend schoen geworden! Und da die Zeit in La Paz nur so davon flog, hab ich dann noch zwei Tage dran gehaengt. Dies war zwar zunaechst mit einer recht aufwenigen Fluggesellschaftsodyssee und einem Aufpreis fuer meinen dritten Flug verbunden, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt... Am Sonntag waren wir zu acht (Cinthya, 6 ihrer Freundinnen und ich) "noch kurz" am Titikakasee... Leider waren wir so spaet dran, dass wir nach Mittagessen und kleinem Spaziergang schon wieder weg mussten... Aber - es war wieder ein faszinierender Anblick - dieser Riesensee auf 4.000 Meter Hoehe!

KULINARISCHES

Nachdem einige von Euch wissen wollten, was die Menschen denn hier so zu sich nehmen (sofern sie es sich leisten koennen), ein paar Zeilen dazu: Obst und Gemuese sind hier absolut lecker (Papayas, Ananas, Bananen ganz frisch und viel intensiver im Geschmack als bei uns...). Und in vielen Maerkten hier kann man sich einen Saft nach Wahl fuer ca. 40 Cent oder auch einen Obstsalat fuer wenig mehr Geld machen lassen - ein absoluter Genuss! Eins der Hauptessen und Mittagstische hier ist allerdings ziemlich gemuesefrei: Fleisch oder Huehnchen mit Reis, Pommes, und evt. Bananenstueckchen. Ueberwiegend lecker finde ich auch die Empanadas - Teigtaschen mit Kaese. Die gibts aber auch mit Huhn oder Fleisch. Eine weitere Spezialität sind Saltenas - Teigtaschen mit sehr wuerziger Sauce, Gemuese und ebenfalls Fleisch, Huhn oder Eiern. Es gibt ueberhaupt einige spannende (Brot)Teigprodukte in Panaderias (Baeckereien). Und auch leckeren Fisch wie Surubi, Pecherrey oder Forelle - in verschiedensten Varianten zubereitet. Zu weiteren Fleischgerichten kann ich aus bekannten Gruenden wenig sagen.

Einige Brauereien Bolivien brauen nach meinem Geschmack recht leckeres Bier: Pacena und Huari. Alle anderen von mir getesteten Biere fand ich weniger ueberzeugend, teilweise seltsam suesslich... Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Und Bolivien keltert recht guten Wein: insbesondere Campos de Solana und Kohlberg, beide im Sueden von Bolivien anzutreffen. Kohlberg hat wohl Urspruenge im Rheingau...

Rurre
Rurrenabaque


BOLIVIEN QUO VADIS

Bevor ich Bolivien mit Euch verlasse, aber noch ein kleiner Blick auf die letzten Entwicklungen im Lande:

Wie Ihr eventuell aus den Nachrichten und von meinem letzten Bericht wisst, ist der Praesident Gonzalo Sanchez de Lozada am 17. Oktober 2003 endlich zurueck getreten. Das war auch die letzte Chance. Das Land stand kurz vor einem Staatsstreich, Zivilkrieg oder...?!!! Nach meinen letzten Informationen hat er sich zunaechst nach Miami und dann nach Washington abgesetzt. Dort soll er sehr fragwuerdige Erklaerungen abgegeben haben: Angeblich habe es in seinem Land nur einen "zufaelligen" Toten gegeben, der von einer Brücke gefallen sei (?!). Tatsaechlich sind es aber zwischen 76 und 103 Tote und ueber 400 Verletzte, die aber seit meiner Anwesenheit vor Ort auf "sein Konto" gehen... Zeitungsberichten zufolge hat "Goni" ausserdem drei Tage vor seinem Aufbruch ein Dekret erlassen, das es ihm ermoeglichte, in Zusammenarbeit mit der Bank Boliviens 300 Millionen Bolivianos fuer Ausgaben/Spesen abzuheben... Noch ist nicht sicher, ob er sich wirklich mit diesem Geld ins Ausland abgesetzt hat oder nicht... Sollte dies allerdings stimmen, hat das Land Bolivien die naechsten Monate kein Geld, seine Angestellten zu bezahlen... Eine Kommission soll dies nun ueberpruefen...

Der Journalist und bisherige Vizepraesident Carlos Mesa wurde als Praesident Boliviens bestaetigt und will nun in der Amtszeit bis 2007 versuchen, das Land nach vorne zu bringen. Dies wird allerdings alles andere als eine leichte Aufgabe. Nicht nur deswegen, weil Bolivien - neben Nicaragua und Honduras - zu den am meisten verschuldeten Laendern Amerikas gehoert, sondern auch, weil seine politischen Widersacher Felipe Quispe und Evo Morales ihm nicht viel Zeit und Rueckendeckung geben werden. Schon wieder gab es Protestmaersche in La Paz. Sicher war ein zentraler Anlass dieses Volksaufstandes der, dem Ausverkauf von Landesressourcen - diesmal Erdgas - nicht weiter tatenlos zuzusehen... Aber Bolivien hat noch viel dringendere taegliche Probleme: Hunger und Armut in weiten Teilen der Bevoelkerung, eine absolut ungerechte Landverteilung, einen Zentralismus, der viele Landstriche weiter voellig verarmen laesst, Landflucht, viele indigene Voelker, die kaum Rechte und Entwicklungschancen haben, oekologische Probleme mit Wasserversorgung und und und...

Leider hat Carlos Mesa zwar 2 Indigena-Vertreter, aber keine einzige Frau in sein Kabinett berufen.. Eine einzige Frau hat er dem Kabinett zur Seite gestellt: die Journalistin Guadalupe Cajias. Sie soll die Korruption im Land bekaempfen... eine sicher undankbare recht hoffnungslose Aufgabe in einem Land, das laut "Transparency International" in Sachen Korruption ganz weit vorne steht (an vierter Stelle in Lateinamerika)...

Positiv ist zwar, dass Mesa Hilfsangebote von vielen Seiten erhalten hat. So hat etwa Brasilien Boliviens Schulden erlassen. Dennoch gehen einige Prognosen in die Richtung, dass das Land mit Carlos Mesa nur eine kleine Atempause nimmt. Sollte es Mesa nicht gelingen, das Land irgendwie zu einen, wird von einer Revolution noch vor Mitte Januar 2004 gemunkelt. Aber: Prinzip Hoffnung?!!!

Rurrenabaque Rio Beni
Flussidylle mit Schwein - Rio Beni, Rurrenabaque


Bolivien ist fuer mich ein absolut faszinierendes Land voller Naturschoenheiten und netter Menschen. Ich zumindest kann einen Besuch dieses Landes nur empfehlen... Bleibt allerdings die Frage, wie sich das Ganze hier weiter entwickelt...

Bin inzwischen tief gekuehlt im Cybercafe Managuas. Draussen ist bruetende Hitze.. die Schweissperlen laufen nach dem Aufstehen nur so runter... gebe Euch liebend gerne was davon ab (....wovon wohl...)...:-)

Heisse Sonnengrüsse

Bab
Vorheriger Bericht Zur Übersicht Nächster Bericht