Vorheriger Bericht Zur Übersicht Nächster Bericht

Kleiner Zeitraffer + Nachtrag zu El Salvador
- vom 15.04.2004 (19)


Hi Ihr Lieben!

danke fuer die netten Rueckmeldungen... Und juhu...mein Fuss ist inzwischen fast friedlich, wenn auch recht wetterfuehlig... werde meinen Belastbarkeitstest so nach und nach steigern... :-)

Bin heftig mit meinen Berichten im Rueckstand... aber wie war das mit den Prioritaeten im Leben? ;-) Zunaechst fuer Euch ein kleiner Ueberblick, wo ich mich seit meiner letzten Mail rumgetrieben hab...

Nachdem ich das malerische Triunfo de la Cruz verlassen hab, bin ich via Omoa und Puerto Barrios weiter nach Livingston gereist, einer froehlichen Garifuna-Stadt an der Karibikkueste von Guatemala.

Ometepe
Livingston

Nach rund 4 Tagen in der fuer mich sehr beeindruckenden und nur per Wasserweg zugaenglichen Stadt, bin ich in einem Boetchen auf dem Rio Dulce bis zum gleichnamigen Ort geschippert. Von dort aus ging es dann weiter zu einer "oekologischen Finca" bei Poptun - Finca Ixobel - und weiter zu meinem Traumziel: TIKAL. Habe nicht weit vom Eingang zu den Ruinen uebernachtet und hab nach der absolut beeindruckenden Besichtigung spontan beschlossen, in einem Oertchen beim nahe gelegenen See Peten Itza zu uebernachten. Letztendlich wurden aus der einen Nacht in El Remate drei...

Ometepe
Lago Peten Itzá

Und der See hielt mich weiter in seinem Bann. Vielleicht deshalb: Itzá heisst in Maya-Sprache "Zauberer des Wassers/Sees". Dank eines Aushangs in einem Internet-Cafe in Santa Elena blieb ich danach weitere 5 Tage am Seeufer - diesmal in San Jose in einer Familie. Dort lernte ich dank einer Frauenorganisation mehr ueber Heilpflanzen, ihren Nutzen und ihre Verarbeitung. War absolut spannend - und eindeutig zu kurz.

Ometepe
Zaun reparieren

Ometepe
Herstellung von Aloe-Vera-Seife

Aber irgendwie zog es mich (erstmal) weiter... wo ich doch endlich wieder etwas anders reisen kann, beweglicher bin... :-) Ausserdem stand Ostern vor der Tuer, so ziemlich Hauptreisezeit fuer Guatemalteken! Somit startete ich eine weitere Microbus-Odyssee gen Coban.. und zog von dort aus nach Semuc Champey weiter, einem wunderschoenen Naturreservat. Eigentlich wollte ich dort ueber Ostern bleiben und somit dem Osterrummel entfliehen... aber "natuerlich" kam mal wieder alles anders... Traf und fand dort Freund/innen, mit denen ich nach einem gemeinsamen Tag vor Ort am naechsten Tag zu einem anderen wunderschoenen Naturreservat weiterreiste: Lachua.

Ometepe
Naturreservat Lachúa

Nach diesen wunderschoenen gemeinsamen Tagen blieb ich einen weiteren Tag in Coban, bevor ich gen Antigua weiterzog. Von dort aus schreibe ich Euch grade. So... jetzt kennt Ihr zumindest mal die Eckdaten... Hab versucht zu sortieren, worueber ich Euch noch nicht berichtet hab und will versuchen, Euch das in halbwegs stimmiger Ueberschrift-Reihenfolge nachzuliefern... :-)


EL SALVADOR - DIE WAHLEN

Zunaechst muss ich noch meinen Frust ueber den Ausgang der Wahlen in El Salvador loswerden: Die Unternehmerpartei ARENA mit Elias Antonio Saca (alias Tony Saca) hat mit ueber 58 Prozent erneut gewonnen. Somit wird dieses kleine Land in 5 Jahren auf 20 Jahre ARENA-Einfluss zurueckblicken... Einerseits ist (fuer mich und andere) schwer nachvollziehbar, warum das Volk sich erneut fuer eine Politik entschieden hat, die die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter spreizt, die eindeutig auf weitere Selbstbereicherung der Regierenden und Schmusekurs mit den USA setzt. Andererseits liegt alles klar auf der Hand: ARENA hat seinen Wahlkampf mit Millionenaufwand intensiviert und nach meiner Abreise den Ton weiter verschaerft.

Ometepe
ARENA-Massenveranstaltungen

Mit Luegen und schmutzigen Verleumdungen gelang es, Angst vor einer "linken Politik" der Gegenpartei FMLN zu schueren und deren Kandidaten als mordenden Revoluzzer anzuprangern. Zugegebenermassen war der leider charismatisch nicht sehr starke Handal Schafik mit seinen 74 Jahren nicht allzu schwer zu demontieren... Und nun? El Salvador wird sich weiter den USA annaehern... der US-Dollar wurde ja bereits als einzig gueltige Waehrung eingefuehrt. Und due Wirtschaft des Landes wird weiterhin auf Remesas (Geldsendungen aus den USA an Verwandte), Maquilas (steuerlich beguenstigte Unternehmen mit stark eingeschraenkten Arbeitnehmerrechten) und Wirtschaftstourismus (Messe, Kongresse, Tagungen, etc.) setzen... "prima Zukunft"... ;-(


SEHENSWERT in EL SALVADOR

...aber nun doch noch Positives zu diesem Land. Hab ja leider nicht allzu viel besichtigen koennen, aber wovon ich Euch unbedingt noch kurz berichten will, sind das malerische Suchitoto, zwei bedeutende Ruinenstaedte... und "natuerlich" noch was zu meinem Lieblingsvulkan El Salvadors :-)

SUCHITOTO

Dieses Staedtchen scheint einer anderen Welt entsprungen. Schoene Plaetze, wenig befahrene Kopfstein-Pflaster-Strassen, jede Menge bepflanzte Innenhoefe, eine beeindruckende weiss gekalkte katholische Kirche mit bunten Glasfenstern, bunte Marktstaende... und ein Bilderbuch-Blick auf den nahe gelegenen Stausee Cerron Grande... Suchitoto ist wohl eine der angenehmsten Staedte El Salvadors.. und hat sogar ein eigenes Theater.

El Salvador
Plaza Central de Suchitoto

Kaum zu glauben, dass in dieser Stadt einer der ersten Revolutionsherde war. Ich hatte das grosse Glueck, mich einem Ausflug meiner spanischen Freund/innen und Salvadorena/os anschliessen zu koennen... So fuhren wir die ca. 50 Kilometer von San Salvador aus in einer Kolonne von 13 Menschen in drei Autos... Da alle zu unterschiedlichen Zeiten losfuhren, verbrachten wir einige Zeit des Tages mit Warten... waehrenddessen Fruehstueck am zentralen Platz von Suchitoto... Dann zogen die ersten beiden Autoladungen weiter zum Stausee - auch Lago Suchitlan genannt - in dem durch Stauung des Lenka-Flusses Energie gewonnen wird.

El Salvador
Blau-weiß-rot vor Stausee

Es war Sonntag... somit rasteten auch viele Salvadoreno-Familien am Seeufer. Wir heuerten eine Lancha (mit Plane ueberspanntes offenes Boot) und goennten uns eine kleine Rundfahrt - insbesondere zu einer kleinen Vogelinsel, die viele Zugvoegel als Rastplatz ansteuern. Beim Umschippern haben wir ganz viele Enten, Kormorane, Gavilane ... und (angeblich) auch 3 Arten Adler gesehen. War ganz schoen beeindruckend. Und ob die dort grasenden Kuehe dort wirklich hingeschwommen sind, wird mir wohl ein Raetsel bleiben. Von weitem sieht die Insel reichlich verschneit aus: Einige der Baeume sind komplett weiss... durch den dauernden Vogelkot. Der See ist riesig und wunderschoen - sein Wasser wirkt allerdings leider reichlich veralgt und dreckig. Somit endete dieser wunderschoene Tag mit einem erfrischenden Bad in einem nahe gelegenen Fluss und leckeren Pupusas (gefuellte Teigfladen) in Suchitoto...

MAYA-RUINEN in El Salvador

Mir war von vorneherein klar, dass die El Salvador-Ruinenstaedte nicht mit dem mexikanischen Palenque, Copan (Honduras) oder gar Tikal (Guatemala) wuerden mithalten koennen... Dennoch war mein Besuch der bedeutenden Maya-Staedte San Andres und Tazumal doch etwas enttaeuschend.

Die bedeutendsten Maya-Ruinen in El Salavador sind die Tazumal-Ruinen in Chalchuapa. Sie stammen vermutlich von der ersten Besiedlung dort - ca. 5000 Jahre vor Christus. Viele Ruinen ruhen noch unter der Erde - kein Geld fuer Ausgrabungen. Ein anderer Ruinen-Teil ist nicht oeffentlich zugaenglich, da Privatbesitz. Und der zentrale Tempel wurde leider vom Zahn der Zeit und von Umweltverschmutzung so angegriffen, dass er mit Zement - leider nicht allzu ueberzeugend - restauriert nun ein (fuer meine Ruinen-verwoehnten Augen) etwas trauriges Bild abgibt.

El Salvador
Ruina Central de Tazumal

Die Ruinen waren angeblich ueber 1.000 Jahre besiedelt. Tazumal war angeblich auch Handelsknotenpunkt zwischen Panama und Mexiko. Die Ruinen sind gut mit oeffentlichen Bussen erreichbar. Ich hab sie gemeinsam mit meinem Salvadoreno-Freund Luis an einem wunderschoenen Sonnentag besichtigt.

Die nach der darueber liegenden Finca benannte Ruinenstaette San Andres liegt ca. 33 Kilometer westlich von San Salvador und wurde 1977 ausgegraben.

El Salvador
San Andres

Mayas lebten dort vermutlich ca. 900 bis 600 vor Christus. Ausgegraben, sichtbar und besteigbar ist eine Stufenpyramide und ein grosser Platz. Weitere ca. 15 Gebaeude befinden sich vermutlich unter weiteren Erdhuegeln rundum. Da ich mit Bea (Spanierin) und dessen Salvadoreno-Bekannten dort erst recht spaet in dessen Auto eintraf, blieb keine Zeit mehr fuer einen Museumsbesuch, aber die Uniformierten vor Ort warteten ausgesprochen nett und geduldig, bis wir uns endlich zum Aufbruch entschlossen...

IZALCO-VULKAN

Besteigen war natuerlich mit meinem Fuss nicht drin, aber ich habe diesen "Traum-Vulkan" zumindest sehr aus der Naehe betrachten duerfen. Izalco ist ein 1.910 Meter hoher, klassisch-schoener konischer Vulkan, der seit knapp 50 Jahren nur noch leise vor sich hindampft. Vor Februar 1770 war er lediglich ein rauchendes Erdloch. Dann allerdings begann Izalco mit heftigen Eruptionen. Das Schauspiel seiner naechtlichen Eruptionen diente lange Zeit zur Orientierung fuer Seeleute. Izalco galt als einziger "Leuchtturm des Pazifik".

El Salvador
Izalco

Da die naechtlichen Funken zunehmend Touristen anzogen, baute ein findiger Unternehmer das Hotel de Montana auf dem anliegenden Vulkankomplex Cerro Verde. Angeblich exakt am Tag der Eroeffnung dieses Hotels 1957 stellte Izalco allerdings nach 187 Jahren Funkenflug seine Eruptionen ein. Und 1996 schloss das Hotel seine Pforten.

El Salvador
Izalco-Plattform vor Cerro Verde

Inzwischen ist dort ein Nationalpark mit gefuehrten Besichtigungspfaden. Hab mich allerdings die laengste Zeit dort oben mit Luis auf der Aussichtsplattform des hoeher gelegenen Cerro Verde aufgehalten... Schon maechtig beeindruckend, von dort aus in den Izalco-Krater schauen zu koennen... Und falls ich nochmal nach El Salvador komme, schau ich mir den Krater nochmal aus der Naehe an... :-)

Und mit diesem Nachtrag verabschiede ich mich gedanklich ein bisschen von El Salvador... auch wenn mir danach immer wieder tolle Menschen ueber den Weg gelaufen sind, die ich in El Salvador kennen lernen durfte...
Meine naechsten Berichte nehmen Euch mit auf die Reise nach Honduras: zu den Ruinen in Copan, zur Tauchinsel Utila,... - und dann nach Guatemala. Aber jetzt erstmal wieder ein bisschen Augenschonprogramm...

Euch eine dicke Umarmung und mal wieder ganz viele Sonnengruesse !!!

Eure Bab

Vorheriger Bericht Zur Übersicht Nächster Bericht