Vorheriger Bericht Zur Übersicht Nächster Bericht

Copan und seine Ruinen - vom 10.05.2004 (20)


Hi Ihr Lieben!

ist zwar schon fast nicht mehr wahr, aber von San Salvador aus war ich ja zunaechst nach COPAN weiter gereist... immer noch etwas verunsichert durch meinen immer wieder etwas anschwellenden Fuss, aber "wild entschlossen", die faszinierenden Maya-Ruinen von Copan zu erkunden.

Zunaechst wieder ein Grenzuebergang. Das mit den Grenzuebergaengen in Lateinamerika ist eigentlich richtig nett... nicht zu vergleichen mit den kritischen kontrollierenden Blicken, Gepaeckdurchleuchtungen,... Zunaechst liess der Bus alle Passagiere in einem Ort raus - Endstation... dann ein paar Hundert Meter Fussweg (oder Taxi) bis zur ersten Passkontrolle... Stempel gegen kleine (oder sogar keine) Gebuehr... und weiter gehts.. dann ein paar Hundert Meter weiter das "richtige Gebaeude" mit dem "Entrada"-Stempel und freundlichem 90-Tage-Visa... alles recht fix und problemlos (ausserhalb von Mittagszeiten oder aehnlichem)... von wegen und so aufwendige Pass- oder Gepaeckkontrollen. Und dann warteten etwas weiter meist wieder ein Bus - manchmal auch ein Pick-up oder Taxen, die eine/n - sobald voll - zum naechsten Ort chauffieren... oder auch etwas weiter.



El Salvador
Grenzübergang El Salvador-Honduras

Bei diesem Grenzuebergang brachte mich ein vollgestopftes Sammeltaxi zum naechsten Ort, wo ich erfuhr, dass mich ein Bus immerhin noch bis "La Entrada" bringen wuerde. Hatte irgendwie verstanden, das sei der Eingang zu Copan und dort gebe es auch Uebernachtungs-moeglichkeiten. Das war entweder ein Missverstaendnis oder eine gewollte Fehlinformation: jedenfalls landete ich lediglich in einem typischen Durchgangsort... mit einer grossen LKW-Strasse, ein paar Hotels, ein paar Haeusern und einigen Comedors und Restaurants. Comedors sind jeweils die einfacheren "typischen" Kantinen und Restaurants sind in der Regel touristischer orientiert und teurer... Hatte heftig Hunger und das Pech, dass sich die letzten Tage (Wochen?) so wenige Touristen dorthin verirrt hatten, dass abends gegen acht Uhr schon nix mehr offen hatte... Naja, dann eben nicht. Ging frueh schlafen und fuhr am Morgen drauf gen Copan weiter... War immerhin doch noch ca. 2 Stunden entfernt... Der freundliche Busfahrer liess mich direkt am Ruinen-Eingang raus. Eigentlich hatte ich ja zunaechst mein Gepaeck abladen und ggf. erst am Tag drauf den ganzen Tag dort verbringen wollen... Aber da ich nun schon mal dort war... Ich deponierte meinen Rucksack, bezahlte die stolzen 10 US-Dollar Eintritt und marschierte los.


Honduras
Bienvenida/os a Copan!


COPAN RUINAS - ein bisschen Geschichte

... 16 Maya-Herrscher haben ihre Spuren in Copan hinterlassen... die Koepfe aller sechzehn sind in einer schoenen Steintisch-Platte verewigt.

Honduras
Tisch der 16 Herrscher

Die ersten Besiedlungsspuren im Copan-Tal gehen bis mindestens 1200 vor Christus zurueck. Olmeken-Graeber verrieten bereits 900 bis 600 vor Christus bedeutende Handelstaetigkeiten. 426 bis 435 vor Christus herrschte die erste koenigliche Familie mit Koenig Mah K*ina Yax K*uk Mo* (Grosser Sonnenherrscher Quetzal Makaw) in Copan. Dieser Herrscher war ein grosser Schamane und gilt als halbgoettlicher Gruender der Stadt. Einer der bedeutendsten Koenige Copans war Smoke Imix (Rauch Jaguar), der 12. Herrscher (628 bis 695). Smoke Imix war weise, maechtig und reich und verwandelte Copan in eine bedeutende Militaer- und Handelsmacht der Region.

Fast alle Stelen Copans auf dem "Grossen Platz" Copans erinnern an seinen Nachfolger Ubak K*awil (18 Hase), der in einem militaerischen Feldzug gegen seinen Nachbarn gefangen genommen und gekoepft wurde.

Honduras
La Plaza Grande

Der 15. Koenig Smoke Shell (Rauchmuschel) herrschte in Copan von 749 bis 763 und war einer der groessten Erbauer... Er liess Copans beeindruckendstes Bauwerk - eine riesige Hieroglyphentreppe - entstehen, in der die Errungenschaften der Dynastien bis 755 n.Chr. in 1.250 Steine gemeisselt fuer die Nachwelt erhalten werden sollten.

Honduras
... DIE Treppe!

Leider gelang dies nur bedingt, da die Archaelogen die damalige Reihenfolge der Steine nicht mehr rekonstruieren konnten... und auch Erosion und Umwelteinfluesse haben schon vieles zerstoert. Eine lange ueberspannte recht haessliche Plane soll nun vor weiterem Verfall schuetzen...

Yak Pac (Sonnenaufgang oder Erste Daemmerung), der 16.Herrscher Copans hinterliess ebenfalls viele bedeutende Bauwerke... obwohl zu seiner Zeit Copan bereits an Einfluss und Reichtum verlor.

Honduras
Von oben... mit Blick auf Ballspielplatz

Copans Ruinen wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklaert. Es gibt noch vieles zu entdecken: ueber 3450 Bauwerke wurden im Umkreis von 24 km2 um die Hauptgruppe geortet. Zu seiner Bluetezeit (Ende des 8.Jhts) hatte Copan wohl ueber 20.000 Einwohner/innen!

Nach 900 geriet Copan so nach und nach in Vergessenheit... Die derzeit wahrscheinlichste Theorie dazu ist, dass durch kriegerische Ereignisse viele starben und die Ertraege der Landwirtschaft rundum nicht mehr ausreichten. Es wurden einige Skelette unterernaehrter Mayas aus dieser Zeit gefunden.

Um etwas mehr zu erfahren, schloss ich mich der spanisch-sprachigen Fuehrung eines israelischen Ehepaars an... Unglaublich... irgendwie hielt mein Fuss die ca. vier Stunden durch, die ich dort verbrachte, bis sie gegen 17 Uhr (?) schlossen. Als ich ging, war schon niemand mehr an der Kasse... aber mein Rucksack stand zum Glueck noch dort... Somit schulterte ich diesen... und hatte das Glueck dass grad ein Bus draussen vorbeifuhr, der mich recht zentral in Copan rausliess.


DAS STAEDTCHEN COPAN....

...ist auch fuer sich einen Besuch wert... und "natuerlich" recht touristisch.

Honduras
Zentrum von Copan

Hab eine recht schoene und guenstige Posada (Posada Honduras) mit Zimmerchen zu einem begruentem Innenhof und relativ warmen Duschen gefunden (welch ungewohnter Luxus!). Dies kam mir die naechsten Tage sehr zugute... denn die naechsten 11 Tage war das mein haeufigster Aufenthaltsort. Mein Fuss raechte sich fuer die Ueberbelastung mit Schwellungen und hielt meinen Bewegungsradius doch sehr in Grenzen.

Was mich in Copan besonders beeindruckt hat sind die 2 Maya-Museen dort: eins fuer Erwachsene und eins fuer Kinder... dort wird recht eindruecklich und spielerisch erklaert, dass die Mayas ihre eigenen Kalender hatten, bereits die Zahl Null kannten, die Sterne beobachteten, im Einklang mit der Natur lebten, mit besonderen Ritualen Ball spielten... Zu diesem Ballspiel ist allerdings zu wissen, dass der Ball sehr schwer ist (Variante Vollkautschuk). Ziel ist, diesen - aehnlich wie bei Basketball - durch einen "Steinring" zu werfen und er darf keinesfalls den Boden beruehren. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass er weder mit Haenden noch Fuessen beruehrt werden darf... Nach Aussagen einiger Wissenschaftler kam es durchaus vor, dass Verlierer den Goettern geopfert wurden. Dies ist allerdings nicht unumstritten.

Copan liegt klimatisch angenehm warm und absolut malerisch von Huegeln umgeben... Jede Menge Hotels, Posadas, Kneipen, Restaurants und Laeden buhlen um Touri-Gunst. Zu meinem "Stamm-Restaurant" dort wurde Cachapa, ein Lokal, das - "dank" Neonbeleuchtung und entsprechendem Eingang" - zunaechst leider trotz huebscher Tischdecken die Atmosphaere einer Garage ausstrahlt.

Honduras
Cashapa

Das Essen ist absolut lecker - Gourmetkueche - und fuer die Menge Essen (reicht fast fuer zwei) wirklich guenstig. Die Chefin kocht selbst, es gibt organisch angebauten Kaffee, leckeres selbst gebackenes Brot... Leider wissen das aber zu wenige Menschen und somit ist die Besitzerin doch noch ziemlich am Kaempfen... Jede Menge blendende Konkurrenz drumrum... Hab mit der netten Besitzerin - und auch mit all den Menschen, die ich dorthin "schleppte" - jeweils ueberlegt, wie sie ein paar mehr Menschen anlocken koennte... Wenn sie sich gegen ihren Sohnemann und den Eigentuemer dieses Hauses durchsetzen kann... :-)

BIENEN UND HONIG...

Tja, und dann hatte ich noch das Glueck, einen Spanier kennenzulernen, der vor Ort fuer die einheimischen Bienen kaempft... Die afrikanischen Bienen sind naemlich auch in Honduras heftig im Vormarsch, da sie wesentlich mehr Honig erzeugen als die einheimischen. Das Problem mit den afrikanischen Bienen ist aber nicht nur, dass diese recht aggressiv und gefaehrlich sind, sondern dass sie die einheimischen Bienen immer mehr verdraengen... Die Antwort koennte nun ein Schultern zuckendes "Darwin laesst gruessen" lauten... Leider ist dies aber wesentlich dramatischer, denn viele Pflanzen koennen sich nur mit Hilfe dieser einheimischen Bienenart fortpflanzen... und somit wird sich mit Aussterben der einheimischen Bienen auch das oekologische Gleichgewicht veraendern und die Pflanzenvielfalt wird wesentlich reduziert werden. Dies ist allerdings kein "Honduras-Problem" sondern ein weltweites... Ueberall sind die afrikanischen Bienen im Vormarsch, da sie eben mehr Honig und damit mehr Geld einbringen. Und wie wir alle wissen, geht den meisten Menschen oekonomisches Denken oekologischen, nachhaltigen Ueberlegungen vor.... Adrian, der Spanier, den ich kennen lernte, konnte immerhin die Gemeinde Copan davon ueberzeugen, eine Zeitlang seinen Aufenthalt vor Ort zu bezuschussen. Somit konnte er Bauern vor Ort seine Imkerkenntnisse vermitteln. Aber ansonsten scheint diese sich anbahnende weitere Naturkatastrophe mal wieder niemand allzu sehr zu interessieren. Traurig.

RUND UM COPAN...

gibt es auch noch jede Menge zu entdecken. Der Ort "Las Sepulturas" gibt etwas Aufschluss darueber, wie die "einfache Maya-Bevoelkerung" damals lebte. "Los Sapos" (die Froesche = MayaZeichen fuer Fruchtbarkeit) war ein Ort, an dem laut Studien viele Mayafrauen ihre Kinder zur Welt brachten... Aber die Entdeckung dieser und aehnlich interessanter Orte stellte ich zwecks Fussschonung zurueck... und als ich denn endlich wieder einigermassen laufen konnte, wollte ich einfach nur weiter...

Honduras
Abendsonne in Copan

Dank Adrian und seinen hondurensischen(?) Freundinnen lernte ich aber AGUAS CALIENTES kennen... eine Art natuerliches Thermalbad... Das Wasser kommt sprudelnd heiss aus der Erde und wird von den Betreibern in zwei Schwimmbecken geleitet... Leider waren wir am Sonntag abend - nach vielen picknickenden Familien - da und das Becken sehnte sich schon eindeutig nach Neubefuellung... das war aber erst am Folgetag vorgesehen... Somit war ich die einzige unserer Runde, die sich "dennoch" in die Bruehe stuerzte.. War schon dunkel, hatte das Becken fuer mich... tat gut.

In "meiner" Posada in Copan lernte ich ausserdem ein nettes franzoesisches Paerchen kennen, das gemeinsam auf Weltreise ist... Ihnen verdanke ich einige sehr schoene Stunden, recht schoene digitale Photos,... und bei unserem Wiedersehn in Utila zwei tolle Crepes-Abende... :-) Aber dazu mehr in meiner naechsten Mail.

Hab inzwischen uebrigens "endlich" meinen RUECKFLUG gebucht... werde am 14.Juni um 11.20 Uhr wieder in Frankfurt landen... wenn das alles so klappt wie geplant...

Euch allen erstmal herzliche Gruesse aus der nachts recht kuehlen guatemaltekischen Stadt Quetzaltenango (auch Xela genannt)!

Geniesst den Fruehling... und bis bald!

Babette

Vorheriger Bericht Zur Übersicht Nächster Bericht