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Adios Utila - Triunfo de Garifuna... und Omoa!
- vom 17.05.2004 (22)


Hi Ihr !

... und weiter gehts... Mein letzter Abend auf Utila war nochmal besonders schoen: Die Familie meines Tauchlehrers Danito hatte eine traumhaft leckere Fischsuppe mit Gemuese und Cocosmilch gezaubert... Und so genoss ich Suppe und nette Gesellschaft ueberwiegend franzoesischer Taucher/innen... und lernte einen netten spanischen Gaertner kennen. Somit klang mein Abend mit einem Bierchen am Bootssteg mit romantischem Blick auf Boote, Mond und Lichterspiegel auf dem Wasser aus...

Und am naechsten Morgen verabschiedete ich mich von meiner schwedischen Zimmerpartnerin - und von der Chance, nochmal einen Blick auf diese wunderschönen Geschöpfe zu erhaschen:

Traumgeschöpfe


Ich stapfte dann mit meinen Wanderbotten zur Faehre... einer meiner groessten Fehler dieser Reise... grrr...

Auf Utila sah das Wasser recht ruhig aus, aber sobald wir den Hafen verliessen, schlugen Wellen bis ueber Deck... Gut, dass ich immer meine homoepathische Reisewaffe dabei hab: getraenkte Zuckerkuegelchen. Nennt sich Petroleo, hab ich vor ein paar Jahren in einer homoeopathischen Apotheke in Mexico kennen gelernt und hat mir seitdem bei allen Bus- und groesseren Schiffsreisen geholfen... Dennoch: ich verkroch mich rasch unter Deck und legte mich auf ein paar Sitze flach. So verging die Stunde der Ueberfahrt einigermassen glimpflich. :-) Das Wasser rund um den Ceiba-Hafen war zum Glueck ruhig... Ansonsten haette ich wohl gleich eine Rueckkehr gratis erhalten.. Waehrend meiner Zeit auf Utila waren einige Tage mit Regen und sehr bewegter See... und dann fuhren die Faehren selten bis nicht. Und einzelne kehrten sogar kurz vor Ceiba wieder um. Dies liegt angeblich daran, dass der recht neue Hafen in Ceiba eine Fehlkonstruktion ist: die Hafeneinfahrt ist so schmal, dass dort bei Unwetter wohl schon einige Faehren verunglueckt sind.... Aber das nun zu aendern kostet natuerlich viel Geld...

Teilte mir mit drei anderen Touris ein Taxi zum Busterminal... und huepfte dort erst mal wieder ins Internetcafe, um mich dort endgueltig zu entscheiden, ob ich weiter gen Honduras reisen - oder eben doch das mir waermstens empfohlene Garifuna-Oertchen Triunfo de la Cruz besuchen wuerde... Entschied mich fuer Triunfo und stieg in einen der lokalen Busse gen Tela... Auch dieser Bus war zeitweise gepfropft voll mit Menschen. Wie Huehner zusammengepfercht und gestapelt... wahrscheinlich nennen die Gringos diese Busse deshalb "Chicken Buses"... Und natuerlich wird in diesen Bussen fast alles mittransportiert (auch mal Huehner)... aber ueberwiegend auf dem Dach (wobei ich bewusst noch keine Huehner auf Busdachen gesehen hab...)... In diesem Bus biss mich jedenfalls ein Floh (?) aus dem Sitz raus in den Oberschenkel... der Stich wurde ganz schoen dick, aber nach zwei drei Tagen war das immerhin vorbei... :-) Das manchmal Nervige aber auch Tolle an diesen Bussen ist, dass sie bei Bedarf halten.. und so stieg ich mit einigen anderen an der Kreuzung zu Triunfo de la Cruz aus... und in ein auch schon recht volles Sammeltaxi um, das mich bei Don Margarito und seiner "Casa Colon" absetzte... ein absolutes Paradies: Huetten direkt am Stand, eine kleine tagsueber offene Bar mit Kueche, Palmen, traumhaft schoenes Karibikwasser... und - ausser Sonntags - ganz wenig Menschen... Dachte zu diesem Zeitpunkt: o.k... zwei drei Tage Traumstrand geniessen

Triunfo de la Cruz

(Utilas Straende sind absolut nix dagegen!) ... und dann weiter... Aber wie Ihr schon wisst, kam mal wieder alles anders...


UND NOCHMAL EIN BISSCHEN KRANKENGESCHICHTE

(wer es schon nicht mehr hoeren/lesen kann, lese bitte unter der Ueberschrift "TRIUNFO" weiter... :-)

Meine Sandfliegen-Stiche hatten sich in offene Wunden verwandelt und begannen leider bereits am Tag meiner Ankunft zu brennen... Somit liess ich das mit dem Baden, lief nur mal kurz im seichten Wasser am Ufer lang... - theoretisch ist Salzwasser ja fuer Wunden gut... Naja... fuer DIE aber EINDEUTIG NICHT!!!

Am naechsten Morgen fuehlte sich insbesondere mein einer Fuss ganz fies an... aber auch andere kleinere Wunden an jedem meiner anderen Gliedmassen brannten... Somit nix wie "auf ein Neues lateinamerikanische Gesundheitszentren testen...". Hatte das Glueck, dass ein mir sehr sympathischer Spanier und sein deutscher Mitreisender meinen Humpelgang begleiteten... Der Arzt war zunaechst sehr muerrisch, aber dann doch recht nett. Ich erfuhr von ihm zwar nicht, welche Infektion mich heimgesucht hatte, aber denn doch, dass mal wieder nur Antibiotica mich vor einer Amputation retten koennten... Na prima.. Und parallel saeubern, Salbe, Verband, trocken und sauber halten... Dazu hatte ich ja nun wirklich "perfekte Voraussetzungen" in einem Oertchen, das ueberwiegend aus Sandstrassen besteht, in einer Huette, die ebenfalls Insel im Sand ist... und mit doch recht feuchtem Meer und entsprechenden Brisen circa 10 bis 12 Meter weg... Aber alles in allem ging es mir trotz alledem wieder prima: Die Arztgebuehr war minimal (5 Lempiras?), die Antibiotika geschenkt, der nette Spanier entpuppte sich als perfekter Krankenpfleger und versorgte mich zunaechst mit Heilsalbe und Gazen... Und die unglaublichen netten 4 Menschen, die immer mal wieder die Huetten und den tagsueber offenen "Restaurant-Kiosk" betreuten, waren ebenfalls ein Geschenk des Himmels.

Triunfo de la Cruz

Don José (Nachtwaechter und "Maedchen fuer alles") kam zu den Zeiten, als ich gar nicht mehr mobil war, da sich ein Stich heftigst entzuendet hatte, sogar abends immer vorbei und klopfte um zu fragen, was er fuer mich zu essen besorgen koennte...

Triunfo de la Cruz

Und Gesellschaft hatte ich auch immer mal wieder: Nachdem mein spanischer "Krankenpfleger" weiterreiste, lernte ich drei sehr nette Italienerinnen kennen.... Und ein anderer Spanier befreite mich endlich aus meiner Unwissenheit: er wusste aus eigener Erfahrung, dass ich mir Estafilokokkos eingefangen hatte, die von Feuchtigkeit leben, fiese Narben hinterlassen, aber ueblicherweise recht rasch mit Antibiotica bekaempfbar sind. Naja... nur bei mir was das eben die zweite Antibiotica-Attacke auf meinen Koerper in diesem Jahr... Somit - nachdem einer der Stiche sich verschloss, zum Vulkan anschwoll und den ganzen Fuss befuellte - nochmal 5 Tage Penecillinspritzen....

Estafilokokken-Krater


Brrrrr.... trotz Frauensolidaritaet schaudert mir bei der Erinnerung: die Aerztin in der Notversorgung des Krankenhauses in Tela war ein kurz angebundener, absolut unfreundlicher Drachen.... Der danach konsultierte Kollege kam zwar zum selben Ergebnis, aber was ein beruhigender Unterschied!!! Er, eine absolut herzlich-nette Krankenschwester und die Schwedin, die mich netterweise zur Notaufnahme begleiteten, waren genau das, was mich an jenem Sonntag davon abhielten, nach der Drachen-Konsultation voellig auszurasten... :-)

Hatte befuerchet, sie wuerden im Krankenhaus den Entzuendungsherd oeffnen (was ich am Vorabend schon selbst versucht hatte)... aber sie vertrauten eher auf Chemiekeulen. Meine letztendliche Rettung - eine tolle Garifuna-Krankenschwester - lernte ich am Tag drauf dank der ortsansaessigen Italienerin kennen. Was eine wenn auch zunaechst schmerzhafte Erleichterung: meine absolut vertrauenswuerdige und kompetente Privat-Krankenschwester oeffnete mir die zunaechst betaeubte Wunde (der Versuch "ohne" scheiterte rasch...) und verabreichte mir meine Penecillinspritzen in der Huette...

Triunfo de la Cruz
Meine Retterinnen

Na, und dann besuchte mich noch der nette Spanier, den ich an meinem letzten Utila-Abend kennen gelernt hatte.... und knapp zwei Wochen nach meiner Ankunft in Triunfo begann dort sogar die jaehrliche Feria (Ortsfeier)... und die war absolut sehenswert!!!


TRIUNFO DE LA CRUZ

Der Garifuna-Ort Triunfo de la Cruz wurde am 3. Mai 1524 von Cristóbal de Olid gegruendet. Mit rund : 9.000 Einwohner/innen ist Triunfo der groesste Garifuna-Ort von Honduras.

Seine fast ausschliesslich schwarzhaeutigen Einwohner/innen stammen urspruenglich - laut einem Internettext - aus San Vicente (Kleine Antillen vor Venezuela) und wurden im April 1797 nach Triunfo gebracht.

Sieben Kilometer trennen Triunfo von den naechst gelegenen Strandstaedtchen Tela... die letzten beiden (?) Kilometer fuehren ueber ausgewaschen holprige Erd- und Sandstrassen. Rund um Tela und Triunfo liegen u.a. ein beeindruckender Botanischer Garten und sehr schoene Nationalparks - u.a. Punta Izopo... und ein nach Jeannette Kawas benannter Park http://www.hondurasnews.tv/prolansate/htms/sal.htm

Die engagierte Unweltschuetzterin, Mitbegruenderin und spaetere Praesidentin der Oekologischen Gesellschaft von Honduras Jeannette Kawas wurde im Februar 1995 aufgrund ihres hartnaeckigen Einsatzes fuer Naturschutz rund um Tela hinterruecks ermordet...

All diese schoenen Orte und noch mehr machten andere nette Menschen, die ich in Triunfo traf, unsicher... waehrend ich mit Fuss hoch aufs Meer blickte... :-)

Aber einiges hab ich dort auch auch selbst erlebt und genossen: Sonntags erwachte das sonst sehr friedliche Triunfo aus ihrem Dornroeschenschlaf: angeblich ueber 50 Reisebusse karren ich weiss nicht wieviele Hondurena-Familien aus nah und fern an: Dann wird - ueberwiegend recht zuechtig bekleidet - gebadet, gepicknickt, gepichelt,....

Triunfo de la Cruz
Sonntägliche Badefreuden

Der Andrang am Strand und an den Essstaenden ist besonders gross, wenn kurz davor einer der beiden monatlichen Zahltage war.

FERIA IN TRIUNFO

Und die Feria in Triunfo war auch ein absolutes Highlight. In jedem Ortsteil fanden Feria "Carnavalitos del Barrio" (kleine Karnevalls) statt: Dort werden ueberwiegend wie kleine Prinzessinnen gekleidete Maedchen gekuert... zur Koenigin, zur Miss Garifuna, zur Ersten, Zweiten und ich weiss nicht mehr wievielten Dame,...

Triunfo de la Cruz
Triunfo de la Cruz

Die kleinen oder etwas groesseren in beeindruckender Gala ausgestatteten Persoenchen wurden jeweils von einem "Kavalier" zur sich immer wieder wiederholenden Musik zur Buehne geleitet. Einige von ihnen hielten dann mit Micro eine mehr oder weniger piepsige, fuer mich mehr oder weniger verstaendliche und mehr oder weniger langweilige Dankesrede an das anwesende Volk. Aber Hut ab... ich fand das doch ziemlich mutig! Einige andere fuehrten auf der Buehne lokal-traditionelle oder auch modernere recht koerperbetonte Taenze auf.

In einigen Stadtteilen gab es auch eine maennliche Koeniginnen-Wahl. Muss zugeben, dass das fuer mich - und offensichtlich auch fuer das Dorf - am witzigsten war. Denn auch die Maenner stolzierten als Damen verkleidet zur Buehne... allerdings ohne "Kavalier"... Die meisten ihrer Reden waren eindeutig witziger und ausgefeilter... teilweise waren sie kokett eindeutig zweideutig auf Maennerfang... Neigung oder jaehrlicher Joke? Was auch immer... :-)

Triunfo de la Cruz

Hoffe meine Photos spiegeln ein bisschen was davon wieder... :-)

Ein weiteres Highlight fuer mich war die Auffuehrung einiger Garifuna-Frauen. Das Ganze aehnelte einerseits einer Modenschau... jede Frau praesentierte nacheinander drei unterschiedliche Trachten, Strandbekleidung, Gala oder... Jede tanzte jeweils in die Raummitte, sprach teilweise etwas ins Mikro (in Garifuna-Sprache) und dann zogen alle nachher wieder Richtung Umkleide.

Triunfo de la Cruz

Was sich andererseits fuer mich absolut positiv von ueblichen Modenschaus abhob, waren die Frauen selbst: keine von ihnen war sonderlich jung oder hatte einen schlanken "Modelkoerper"... "aber" jede spruehte nur so von Rhythmus, Koerpfergefuehl, Selbstbewusstsein und Schoenheit anderer Art... Auch das hab ich versucht, in Photos einzufangen... :-)

Triunfo de la Cruz

Endlich irgendwann mal wieder antibiotika- und ibuprofenfrei kostete ich dann auch endlich mal "DAS" Garifuna-Getraenk schlechthin: Gifiti. Basis ist ein dunkler Rum, in grossen Flaschen versetzt mit verschiedensten Wurzeln und Kraeutern. Schmeckt wie ein Kraeuterschnaps... schmeckt aber "haerter" als beispielsweise Fernet Branca... und mal ausnahmsweise ueberhaupt nicht suess...

AUFBRUCH

Als ich Triunfo verliess, war meine Wunde immer noch nicht ausgeheilt... Somit werde ich wohl irgendwann nochmal zurueckkehren "muessen", um mich doch zumindest einmal dort in die karibisch-blauen Fluten gestuerzt zu haben... :-) Und weiter ging es gen...

OMOA

.. meiner letzten Station in Honduras, bevor ich "endlich" Guatemala erreichte. Omoa ist ein recht schoenes Hafenstaedtchen mit der absolut beeindruckenden Festung "San Fernando de Omoa". Diese wurde von den Spaniern zur Kolonialzeit errichtet, um somit Honduras´ groessten Hafen an der Nordkueste gegen Angriffe von Piraten und Korsaren zu schuetzen. Bis die Festung allerdings fertig wurde, waren diese Angriffe allerdings bereits "Schnee von gestern". Mit der Unabhaengigkeit von Honduras 1821 ging die Festung in Regierungsbesitz ueber, diente zeitweise als Praesidium, stand aber auch laengere Zeit leer.

Omoa

Ich kam in Omoa in Roly´s Place unter... Klingt nicht einheimisch - ist es auch ueberhaupt nicht. Ueblicherweise bevorzuge ich Unterkuenfte mit lokalen Besitzern... aber "Roly´s" gehoert einem Schweitzer, ist eindeutig guenstigste Wahl vor Ort, bietet aber einiges an netten Annehmlichkeiten: Schlafsaal oder ueberdachte Haengematten, gut ausgestattete Kueche, Trinkwasser, einen paradiesischen Garten (mit fuer mich sehr heimeligem Rasen... :-)..), sehr guenstiges Bier und kostenfreie Fahrrad-Nutzung...

Lernte dort oben in dem sonst etwas vereinsamten Haengemattenplatz einen netten Franzosen kennen, mit dem ich die meiste Zeit der beiden Folgetage verbrachte. Meine einzigen Handicaps dort waren, dass ich immer noch nicht ins Wasser konnte... und dass die Mosquitos zeitweise eine widerliche Plage waren. Aber sonst... nur schoen! Nach gemeinsamem Fruehstueck zogen wir dennoch beide zwei Tage spaeter weiter: er zurueck gen Copan, wo er mit Freunden eine naturnahe Touri-Unterkunft aufbauen will... und ich weiter gen Livingston.

Unglaublich aber wahr... in meiner naechsten Mail werde ich Euch ueber meine ersten Stationen in dem Land berichten, in dem ich seit einigen Wochen lebe: Guatemala... :-)

Euch sonnige Grüße aus dem regnerisch-kuehlen Xela!

Babette

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