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Livingston - Rio Dulce - Finca Ixobel - 06.06.2004 (23)


Hi Ihr!

Kleiner Nachtrag: kurz nachdem ich Euch die letzte Nachricht geschickt hab, fiel mir noch eine Museumsinformation aus Omoa in die Haende... Schon interessant, wer WAS WIE darstellt... Laut allgemeiner Touri-Info (Honduras Tips) diente die Festung als Regierungsgebaeude und stand dann laenger leer... Das mag sein...

Honduras

Laut Museumsinfo wurde die Festung 1900 bis 1950 als Gefaengnis fuer politische Gefangene genutzt... und so duester sehen die Verliesse dort auch aus... Ganz kurze Zeit (kaum einen Monat) war die Festung auch in englischer Hand... aber das konnte die spanische Krone natuerlich nicht lange dulden und eroberte rasch zurueck... Tatsaechlich mal eine "nette" Variante: Waehrend die spanische Uebermacht vom Land aus angriff, machten sich die englischen Besatzer unbemerkt und klammheimlich auf dem Seeweg aus dem Staube...

AUF GEHTS GEN... LIVINGSTON / GUATEMALA

Der Weg von Omoa bis Livingston ist ein kleines aber fuer Reisefreudige eigentlich ganz nettes Abenteuer... Fuer mich begann dieses am 19. Maerz um ca. 10 Uhr morgens... Die zunaechst alphaltierte Strasse geht nach relativ kurzer Zeit in eine Holperstrasse ueber... aber daran sind Busse und Busfahrer dort ja gewoehnt... In Corinto erhielt ich dann gegen etwas mehr als 1 EURO (20 Lempiras) einen Ausreisestempel und stieg hinten auf einen Pick-up. Dieser brachte mich dann fuer ca. 25 Cent ca. 3 Kilometer weiter zur "eigentlichen" aber eindeutig sehr gruenen Grenze... :-) Ausser dem grossen Schild "Guatemala" und einer ueber die Strasse verteilten Schafherde waren dort nur zwei Verkaufsstaende und ein paar Lempira-Quetzaltauscher... und ein Minibus, der alle Reisenden dann gegen 10 Quetzal (rund 1 EURO) in einer knappen Stunde weiter bis zur naechsten groesseren Stadt - Puerto Barrios - brachte. Am Stadteingang hielt der Bus kurz und liess uns drei Touris dort in einem weiteren Immigrationsbuero am Strassenrand unseren Eingangsstempel Guatemala erstehen...

Kurz nach 14.00 Uhr hatte ich in Puerto Barrios den Hafen gefunden... und eine knappe Stunde spaeter sass ich dann auch schon in einer Lancha (typisches ueberdachtes aber sonst relativ offenes Personentransportboot - je nach Laenge und Breite fuer ca. 20-30 (?) Personen) gen Livingston. Eine gute halbe Stunde Wellenreiten spaeter und ca. 3 EURO (25Q) aermer landeten wir denn auch.


LIVINGSTON

... ist eine Stadt mit SEHR unterschiedlichem Feedback. Einige sind Livingston-"FANS", anderen ist das alles viel zu touristisch und uninteressant. Ich gehoere eindeutig zu ersterer Kategorie.

Ein Minimum an Geschichte: 1806 siedelten Garifunas dort und nannten ihre Stadt Buga. Historisch wurde die Stadt allerdings gemaess Manuel Pineda Mont (wer auch immer das war :-)) im November 1831 gegruendet. Und zwei Jahre spaeter wurde sein Hafen offiziell registriert. Weitere vier Jahre spaeter (31+2+4 = ? :-) erhielt die Stadt ihren heutigen Namen - zu Ehren des Gouverneurs von Louisina Edward Livingston... 1895 bis 1920 galt sein Hafen als der groesste Multi-Industriehafen der Gegend. Seit 1928 gibt es in Livingston Licht und Strom, seit 1947 auch Trinkwasserversorgung.

Guatemala

Livingston ist lediglich per Wasserweg erreichbar und "die" Garifuna-Stadt Guatemalas. Wer sich mittel- bis langhaarig in diese Stadt wagt und tatsaechlich KEINE Garifuna-Zoepfchen haben will, muss heftig hartnaeckig sein... die "Gegenseite" ist dies naemlich auch! Zoepchen-Angebote erfolgen fuer "Noch-Resistente" der Zielgruppe mindestens 3x taeglich... und die Preisspanne variiert heftig... und dies nicht nur nach "Arbeitsumfang"... Mich fing meine "Zoepfchen-Fee" direkt am Hafen ab. Es gelang mir tatsaechlich, mit einem "spaeter vielleicht" weiterzuziehen... Wollte zunaechst in Ruhe was essen und eine Unterkunft finden. Aber Gregoria spuerte mich in einem Comedor auf - und war dann mehr als hartnaeckig... leider beim Zopfflechten auch alles andere als feinfuehlig. Nach ihrer Einschaetzung war ich etwas "llorona" (zimperlich/weinerlich)... - aber mir standen eben die Zeit meiner sieben Halbzoepfe doch immer wieder Traenen in den Augen und ich war froh als es vorbei war... Tatsaechlich hoerte das Ziepen ja nach Anfertigung auf und diese sieben Zoepfchen hielten mir fuer die naechsten knapp zwei Wochen die Haare aus der Stirn... Hat schon Vorteile... aber eben auch Nachteile: Weiss nicht wieviele Haare mir beim spaeteren Aufloesen dieser und anderer Zoepfchen in Buescheln entgegen kamen... Andere Zopf-Feen waren permanent im Dreierpack unterwegs und stuerzten sich dann auch jeweils zu dritt an einem Kopf an die Arbeit...

Aber Livingston bietet natuerlich noch mehr als Zoepfchen: zwei zentrale Strassen, an denen fast alle Restaurants, Kneipen und Unterkuenfte liegen. Beide landen am Meer... Freitags und samstags ist in Livingston Live-Garifuna-Trommeln in einer schoenen grossen Bar (Ubafu) und Dosenmusik mit Disco in der Stranddisco...

Guatemala

Vorab wurde mir von vielen empfohlen, eine gefuehrte Tour zu den "7 Altaren" zu buchen... Dies sind sieben nach Regenzeit wohl sehr beeindruckende Wasserbecken... Dies war meinem nicht so ganz heilen wollendem Fuss zu weit... und es regnete auch haeufig... Aber was ich dennoch "laufend" erkundete, war "Parque Ecologico Koala"... klang irgendwie interessant und somit folgte ich den Schildern immer weiter.. bis ich an einem Tor vor einem grossen Anliegen stand... Ich traute mich rein, obwohl schon der Anblick "nach Hund roch"... und der kam dann auch bald auf mich zugelaufen.... beruhigte sich aber zum Glueck denn doch und liess mich vorbei. Zunaechst war da ein ca. 10-Meter-Durchmesser rundes Schwimmbecken, dann eine Wiese und ein improvisiertes offenes Restaurant mit Plastikgarnitur... Dorthin kam nach etwas Rufen denn auch der Besitzer - ein von seinem Aussehen zunaechst etwas erschreckender Australier: sein Gesicht und nackter Oberkoerper sah aus wie vor laengerer Zeit hochgradig verbrannt... Er verkaufte mir ein Wasser und erzaehlte mir von seinen Plaenen, das Anwesen nach und nach immer staerker Touristen zu eroeffnen. Dann lernte ich auch seine sehr attraktive "einheimische" Frau kennen - und seinen ersten (?) und zu diesem Zeitpunkt einzigen Gast auf diesem tatsaechlich recht paradiesischen Stueck Erde: einen langhaarigen netten Deutschen (aus Frankfurt!). Das dahinter liegende Waldstueck bietet sehr beeindruckende Naturschoenheiten: einen klaren wunderschoenen Bach, jede Menge sehr alte Baumriesen, ein kleiner Waldteich... und wer dort eine Runde ausspannen will, darf auch sein Pferd mieten...

Zog in Livingston eine Zeitlang mit zwei Italienern um die Haeuser und schleppte sie auch zum Restaurant "Tilingo Lingo" einer Mexikanerin - fast direkt am Wasser... Wenn die Wirtin mal anfaengt, von ihrem bunten Leben zu reden ist sie nicht mehr zu stoppen. Wer erfahren will, wie sie einen gesuchten Straftaeter ueberfuehrte... Livingston wartet.

Und wieder blickte ich dort aufs Meer - und meine Wunde am Stichwunde am Fuss wollte immer noch nicht trocknen (bei der Meer- und Regenfeuchten Luft kein allzu grosses Wunder aber... grrrr). Somit lernte ich auch das Gesundheitszentrum in Livingston und eine nette Krankenschwester kennen... Etwas troestend blieb: Livingston hat auch keinen wirklich dollen Strand und das Wasser ist wohl rund um die Stadt auch nicht allzu sauber...


RIO DULCE

... Von Livingston aus schipperte ich gen Rio Dulce weiter. Auch diese Lancha war mit knapp 20 Menschen voll besetzt... Kurz nach unserem Ablegen fuhren wir recht langsam und mit einem Motor... Unser Bootfuehrer teilte uns dann irgendwann mit, dass der Sprit zwar eventuell reicht, aber er doch besser noch "tanken" will... Nach diesem Kommentar fuhren wir einige Schleifen und steuerten diverse Laedchen und Privatpersonen am recht idyllischen und einsamen Ufer an... Nachdem der eine Assistant fast von einem Hund angefallen wurde, wurden wir irgendwann tatsaechlich fuendig... und weiter... In einem Flussarm gibt es heisse Quellen, die vorab als "ideal zum Baden" angepriesen wurden... Da es allerdings die Tage heftig geregnet hatte, war das Wasser sehr braun und dreckig... Somit sahen wir nur kurz braunes "Blubb-blubb" und fuhren vorbei.

Die Tour beinhaltete sogar noch einen Schlenker zum Castillo San Felipe: ein wirklich beeindruckendes Wasserschloss mit duesteren Kerkerraeumen, Tunneln, Tuermen und sehr dicken Steinmauern.

Guatemala

Das Schloss wurde - zunaechst als Turm - 1595 von den Spaniern zum Schutz der am Lago de Izabal befindlichen Warenlager vor Piraten gebaut. Nach mehrfachem Zerstoeren und Aufbau diente das Castillo zeitweise als Schutzfestung, zeitweise als Gefaengnis... dank einer gekonnten Rekonstruktion 1955 fand ich es ausgesprochen sehenswert...

Rio Dulce selbst ist ein wenig attraktiver Durchgangsort mit vielen Banken und einer zentralen Durchgangsstrasse.

Guatemala

Das fuer mich einzig wirklich sehr Schoene an diesem Ort ist sein Blick auf den an dieser Stelle sehr breiten Rio Dulce mit Inselchen - insbesondere von einer grossen Bogenbruecke.

Hatte mich bisher in Guatemala mit getauschtem Honduras-Geld und Traveller-Checks finanziert... In Rio Dulce marschierte ich zum ersten Mal mit meiner EC-Karte zu einem der vier (?) Bankautomaten... um mir dort bei jeder denselben Schreck zu goennen: Sie wollten alle meine Karte nicht! Entweder sie akzeptierten deutlich sichtbar (Aufkleber!) nur Mastercard, VISA oder lokale Banken... oder konnten meine Karte nicht lesen. Befuerchtete schon "Schlimmstes" (meine fast neue kaum genutzte Karte kaputt,..) aber es war nochmal ganz anders: MAESTRO-EC-Geldautomaten scheint es im ganzen Land nicht zu geben... habe zumindest nicht einmal im Touri-Ort Antigua einen gefunden. Hatte aber zum Glueck vorgesorgt: "dank VISA" klappte meine Geldversorgung auch in Guatemala... aber fragt mich nicht nach den Gebuehren!!!

Circa eine Stunde von Rio Dulce entfernt gibt es einen heissen Wasserfall... absolut beeindruckend!

Guatemala

Schade nur, dass es an diesem Tag (fast) permanent regnete und es auch - zumindest diesseits des Baches - keinerlei trockenen Ort gab, an dem ich meine Klamotten haette deponieren koennen... Konnte nicht widerstehen und mutete meinem Fuss ein erstes Bad zu... Dieses haette er mir auch verziehen... nicht aber, dass ich meiner Haut in einem nicht-regnerischen Moment noch eine Heilerde-Kur verabreichte... O.k, o.k...: Dreck in Wunden ist nie gut... aber "Heilerde"????... AUCH NICHT! Warf meinen Heilprozess dann auch prompt nochmal drei Tage zurueck... - Dummheit laesst gruessen... :-) ...

Als ich aus dem Wasser stieg, begann es leider absolut zu schuetten... Waere mir egal gewesen, wenn ich nicht die Haelfe meiner Klamotten schon angehabt UND einen Unterstellplatz / trockenes Eckchen fuer meine Klamotten gehabt haette... Der Aufpasser mit seiner Liebsten schaute mir aus seiner trockenen kleinen Hoehle auf der anderen Seite des Baches zu, wie ich versuchte, mich mit meiner regenabweisenden Jacke gegen einen Baumstamm gebueckt einigermassen trocken zu bleiben... gelang allerdings bei diesen Sturzbaechen nur bedingt... Aber irgendwann hoerte auch dieser Regenguss wieder auf und ich sah zu, wie ich schnellstmoeglich von diesem traumhaft schoenen aber doch nicht allzu gastlichen Ort verschwand...

Von Rio Dulce aus fuhr ich mit Mini- und groesseren Bussen gen Tikal... Aber zunaechst stoppte ich nochmal nahe Poptun bei der...


FINCA IXOBEL

ein Natur- aber auch Touri-Paradies... Die Finca gibt es wohl schon seit 33 Jahren und gehoert einer US-Amerikanerin. Infos und bunte Bildchen dazu finden Interessierte unter www.fincaixobel.com Wer von Guatemala ausspannen will ist hier richtig...

Guatemala

Wer guatemaltekische Kultur sucht oder spanisch sprechen will, ist hier eher falsch... Die Finca bietet individuelle Huetten und Schlafsaalplaetze, einen Campingplatz, Reiten, irre Hoehlentouren, eine eigene Bar mit Feuerstelle und recht guenstigen Cocktails... und sogar einen kleinen See zum Baden.. Wer dort fuer mindestens 6 Wochen (?!) gegen Kost und Logis relativ stressfrei arbeiten will, ist auch willkommen.

Den grossen Kaefig auf dem Anwesen mit drei Affen fand ich weniger "oeko" aber laut Schild wurden diese Tiere wohl von Vorbesitzern wesentlich tierunwuerdiger gehalten und sind schon nicht mehr fuer ein Leben in Freiheit umerziehbar...

Tauchen und Reiten wollte mein Fuss leider nicht... aber die Umgebung tat mir - trotz erster Spanisch-Entzugserscheinungen - SEHR kurzfristig dennoch gut. Neben liebevoller Gestaltung und viel Gruen bietet die Finca sehr leckeres Essen mit jede Mengen leckeren Gemuesen und Salaten, selbst gebackenen Brotwaren... eine erfreuliche Abwechslung von Reis, Ei und Bohnen... Interessant fand ich auch das Bezahlsystem auf Vertrauensbasis, das ich in aehnlicher Form bereits bei einer sandinistischen Kooperative in Nicaragua genossen hatte: Jede/r schreibt das eigene Essen auf eine eigene Seite und bezahlt dann alles am Schluss... Sicher gibt es Abweichungen, aber erfreulicherweise scheint das so einigermassen zu funktionieren... :-)

Schluss fuer heute...

Bin inzwischen bei meiner fast letzten Reisestation gelandet... Sdem mexikanischen San Christobal de las Casas. Dazu spaeter mehr. Aber vielleicht zu Eurem Trost, falls der Fruehling Euch doch noch nicht so waermen sollte: Es regnet hier taeglich - ich sitze hier mal wieder mit dicker Fleecejacke...

Sonnige Grüße... und bis bald (morgen in einer Woche geht mein Flieger....)
Guatemala
"Hasta luego!"
Eure Babette

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